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Georgien: Star Kaladse und viele Unbekannte | 2006-10-05


Rostock - Frankreich überstanden, Deutschland vor der Brust und Weltmeister Italien im Hinterkopf. Wir können jetzt gegen die besten Mannschaften der Welt spielen. Das macht richtig Bock, sagte Georgiens Fußball-Nationaltrainer Klaus Toppmöller.

Nach seinem Heimspiel in Rostock gegen die deutsche Auswahl folgt für Georgien das EM-Qualifikationsspiel am 11. Oktober gegen Italien. Gegen die ersten Drei der WM sollen Toppmöllers Fußballer binnen eines guten Monats vor allem eins: Lernen. Wir wollen uns weiterentwickeln. Das ist uns auch schon gelungen, sagte der frühere Bundesliga-Coach, der den eigenen Fans vor allem eines verspricht: Ein 0:13 wie San Marino wird uns nicht passieren.

Auf der Bühne des Welt-Fußballs spielt Georgien nur eine kleine Nebenrolle, doch namhafte Akteure gibt es schon im Team. Star der Mannschaft ist Verteidiger Kacha Kaladse vom AC Mailand. Den kann kein Mensch ersetzen, weiß Toppmöller um die Wichtigkeit des Champions-League-Siegers von 2003. Auch der Schalker Lewan Kobiaschwili und der verletzt fehlende Torjäger Schota Arweladse vom niederländischen Ehrendivisonär AZ Alkmaar gehören zu den Leistungsträgern im Team.

Wir haben sieben, acht gute Fußballer mit internationaler Klasse. Dahinter gibt es einen Bruch. Ein Land mit 4,7 Millionen Einwohnern kann keine elf Weltklasse-Spieler haben, sagte der Trainer, der neben Kobiaschwili die deutschen Zweitliga-Legionäre Alexander Iaschwili und Otar Chisaneischwili (Freiburg) sowie Mate Gwiniadse vom TSV 1860 München nominiert hat.

Toppmöller muss seine Spieler in aller Herren Länder zusammensuchen. Nur Torhüter Grigol Chanturia (Zestafoni) und Mittelfeldakteur Schota Grigalaschwili (Tiflis) spielen in der ersten Liga Georgiens, die allenfalls Regionalliga-Niveau hat. Es ist ein Handicap, dass die Spieler in so vielen verschiedenen Ligen spielen, bekundete der 55-Jährige.

Statt für rund 200 Euro im armen Georgien zu kicken, heuern die mehr oder weniger talentierten Spieler für das Zehnfache in Russland oder der Ukraine an, die richtig guten schaffen den Sprung in den Westen. Viele müssen die Familien mit dem Geld unterstützen, schilderte der Trainer des Jahres 2002. Von hundert Spielern schafft nur einer irgendwo den Sprung in eine erste Mannschaft. Die Karriere der Gescheiterten ist dagegen meist vorbei.

Spielerisch sieht Toppmöller seine Mannschaft auf einem guten Weg, das große Problem sind Ordnung und Disziplin. Die deutschen Tugenden fehlen, ebenso eine große Portion Erfahrung, sagte der Coach, der dies beim 2:3 in der EM-Qualifikation gegen die Ukraine schmerzlich erfuhr und nicht an die Europameisterschafts-Teilnahme glaubt. An Italien und Frankreich führt in dieser Gruppe kein Weg vorbei, sagte Toppmöller, dessen Team das Kräftemessen mit Frankreich 0:3 verlor.

In der aktuellen FIFA-Weltrangliste stehen die Georgier auf Rang 93. Mein Ziel ist es, an die besten 50 oder 60 Teams ranzukommen. Das wäre ein toller Erfolg, so der Coach. Der größte Erfolg des georgischen Fußballs ist der 2:1-Sieg von Dynamo Tiflis im Endspiel des Europacups der Pokalsieger am 13. Mai 1981 im Düsseldorfer Rheinstadion gegen Carl Zeiss Jena (2:1) - über weitaus kleinere Schritte würde sich Toppmöller mit dem Nationalteam freuen.


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