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Dauerbrenner mit Ziel: Schneiders 75. Länderspiel | 2006-10-06


Berlin/Rostock - Bernd Schneider ist ein Phänomen. Der 32 Jahre alte Mittelfeldakteur spielt auch nach der Weltmeisterschaft mit einer körperlichen Frische und Freude Fußball, als wenn es die Strapazen des Sommers gar nicht gegeben hätte.

Entsprechend soll das 75. Länderspiel, vor dem der Super-Techniker von Bayer Leverkusen gegen Georgien steht, noch lange nicht das letzte, sondern nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum nächsten großen Ziel sein. 2008 will ich den EM-Titel anpeilen. Was nach der Europameisterschaft passiert, weiß ich noch nicht, sagte Schneider.

Während zahlreiche Bundesliga-Trainer wie Bayern-Coach Felix Magath immer wieder über die negativen WM-Nachwirkungen bei ihren Auswahlkickern stöhnen, liefert ausgerechnet der erfahrenste Akteur im 21-köpfigen DFB-Kader den Gegenbeweis. Ob in den Länderspielen gegen Schweden (3:0), Irland (1:0) und San Marino (13:0) oder für Bayer Leverkusen in Bundesliga und UEFA-Pokal - der bald 33-jährige Schneider zählte in dieser Saison jeweils zu den besten Akteuren.

Bundestrainer Joachim Löw führt das auf die professionelle Einstellung des Thüringers zurück, der in 34 der 37 Länderspiele unter Ex-Coach Jürgen Klinsmann und nun Löw dabei war und mit 2671 Spielminuten auch die längste Einsatzzeit aller Spieler vorweisen kann. Bernd hat schon in der Vorbereitung auf die WM sehr hart an sich gearbeitet. Er hat die Ergebnisse der Fitness-Tests aufgenommen. Bei der WM war er in sehr guter Form, und auch jetzt ist er in guter Verfassung. Er hat eine unglaubliche Power, erklärte Löw.

Schneider führt seinen guten körperlichen Zustand ebenfalls auf die von Klinsmann eingeführten neuen Trainingsmethoden mit den US- Fitnesstrainern sowie seine Zusatzschichten zurück. Ich habe extrem viel im Fitness-Bereich gearbeitet, berichtete er. Ich habe die besten Werte, seit ich in der Nationalmannschaft bin.

Am 27. Juli 1999 debütierte er beim Confederations Cup in Mexiko beim 2:0 gegen Neuseeland in Guadalajara unter dem damaligen Teamchef Erich Ribbeck in der Nationalmannschaft. 25 Jahre alt war er damals schon - und nur kurze Zeit später folgte eine fast zwei Jahre lange Länderspiel-Auszeit. Erst zu den Playoff-Spielen um das Ticket zur WM 2002 gegen die Ukraine holte ihn Ribbeck-Nachfolger Rudi Völler in die DFB-Auswahl zurück - seitdem ist Schneider Stammspieler.

Er hat viel erlebt mit der Nationalmannschaft. 2002 stand er im WM-Finale. 2004 war er beim EM-Desaster in Portugal dabei. Im Sommer endete sein Traum vom WM-Titel im Halbfinale gegen Italien. Er hat viel gesehen in der Welt. Die beeindruckendste Reise war für ihn die in den Iran 2004. Am Flughafen wurden wir von so vielen begeisterten Menschen fast erdrückt, dass wir durch den Hinterausgang mussten.

Schneider hat Spaß als Nationalspieler. Ich profitiere von der offensiven Philosophie, ich spiele gerne nach vorne. Er hat zwar selbst nur drei Tore in 74 Länderspielen erzielt, aber etliche mehr vorbereitet. In jüngster Zeit vertritt er auch Michael Ballack als Kapitän, wenn dieser fehlt. Zum WM-Eröffnungsspiel die Mannschaft aufs Feld zu führen, war etwas Besonderes. Das 75. Länderspiel ist das auch, obwohl dem Dauerbrenner sogar noch die magische Zahl von 100 Einsätzen für Deutschland zuzutrauen ist. Derzeit winkt Schneider da noch ab: Das 100. Länderspiel muss ich nicht mehr machen.


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