Gelsenkirchen - Als Rudi Assauer im Mai unter großem Getöse die Kommandobrücke des FC Schalke 04 verließ, befürchteten viele den Untergang des Clubs. Doch Assauers Nachfolger und langjähriger Assistent Andreas Müller arbeitet akribisch daran, Schalke neu zu positionieren.
Schließlich bot sich mit dem Ende der Ära des allmächtigen Managers, der 13 Jahre lang hauptverantwortlich die Geschicke des Vereins leitete, auch die Chance, den Revierverein nach turbulenten Monaten in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Dabei soll die Philosophie des volksnahen Fußball-Bundesligisten keinesfalls aufgegeben werden. Sukzessive tritt der 43-Jährige aus dem Schatten des einstigen Lehrmeisters heraus.
Natürlich spüre ich nun, wo Rudi weg ist, dass die ganze Verantwortung für den sportlichen Bereich auf mir liegt. Aber das ist keine Belastung, sondern eher große Motivation, den Anforderungen gerecht zu werden, sagte Müller der dpa. Trotz des gestiegenen Drucks bleibt der Schwabe gelassen. Rudi trug das Herz auf der Zunge, stand immer in der Öffentlichkeit. Ich bin vielleicht etwas diplomatischer und habe eine andere Art, Dinge umzusetzen, betonte Müller, der es aber als großes Glück empfindet, sechs Jahre lang an der Seite eines der besten Bundesliga-Manager in Ruhe aufgebaut worden zu sein.
Oft werde vergessen, dass Assauer ein Teamplayer war. Zwar habe er häufig das letzte Wort gehabt, aber wir haben alle Entscheidungen gemeinsam getroffen. Nun gilt es für ihn und die Vorstandskollegen Peter Peters und Josef Schnusenberg, den Club auf dem geschaffenen Fundament weiter nach vorn zu bringen. Dabei geht Müller konsequent seinen eigenen Weg. Rudi hat große Fußstapfen hinterlassen. Aber wer versucht, da hinein zu treten, hinterlässt keine eigenen Spuren, so das Motto des zweifachen Familienvaters.
Müller weiß, dass er nach dem Wegfall des Schutzschildes Assauer mehr unter öffentlicher Beobachtung steht, seine Arbeit kritisch hinterfragt wird. Schließlich hat er im wesentlichen den derzeitigen Kader zusammengestellt und Trainer Mirko Slomka nach Ralf Rangnicks Ausscheiden installiert. Wir müssen uns an den Erfolgen messen lassen. Wir haben die Verantwortung, so Müller, der gemeinsam mit dem Coach die Saisonziele ungewohnt offensiv formulierte. Er habe aber nie gesagt, die Elf müsse schon in dieser Saison Meister werden. Ich habe nur gesagt, die Mannschaft hat Qualität, es bereits in diesem Jahr zu schaffen. Aber dann muss alles optimal laufen.
Kleinigkeiten wurden verändert, ein Psychologe verstärkt eingebunden, ein zweiter Fitnesstrainer und ein Technik-Coach engagiert. Müller wacht darüber, dass unter dem Motto Loyalität, Leistung, Leidenschaft ein Rädchen ins andere greift. Auch die Spieler nimmt er verstärkt in die Plicht: Ich habe absolutes Vertrauen zu ihnen. Aber man muss sie auch immer wieder hinterfragen. Wenn einer den Weg nicht mitgeht, muss man sich trennen.
Aus sportlichen wie finanziellen Gründen sind Erfolge in allen drei Wettbewerben wichtig. Zwar sind die Verdienstmöglichkeiten im DFB-Pokal und im UEFA-Cup im Vergleich zur Champions League bescheiden. Aber wenn man weit kommt, fällt schon einiges ab und wir können die Mannschaft weiter optimieren, so Müller. Bei einem frühen Scheitern müssten angesichts des rund 39 Millionen Euro teuren Kaders fehlende Einnahmen durch die Qualifikation für die Champions League ausgeglichen werden. Sonst drohen personelle Einschnitte.
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