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Löw warnt nach Debütanten-Ball vor Slowakei | 2006-10-08


Rostock - Die Siegesserie mit Mut zum Risiko ausgebaut, die Fans mit zwei tollen Toren noch einmal verzückt - doch Joachim Löw interessierte schon am Tag nach dem Debütanten-Ball gegen Georgien nur noch der Ernstfall gegen die Slowakei.

Vor der kniffligen Aufgabe der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation am 11. Oktober in Bratislava sah der Bundestrainer trotz des 2:0 (1:0) im letzten Heimspiel des WM-Jahres erheblichen Klärungsbedarf. Einige Dinge muss man intern besprechen, sagte Löw und dachte dabei nicht nur an ein Einzelgespräch mit Rotsünder Lukas Podolski. Der 46-Jährige warnte eindringlich vor dem nächsten Gegner: 5:1 in Wales zu gewinnen, ist beeindruckend.

Löws schwierigste Aufgabe in der kurzen Vorbreitungszeit wird es sein, die eigene Abwehr fit zu machen für das Duell mit den treffsicheren Slowaken um die Bundesliga-Profis Marek Mintal, Robert Vittek und Miroslav Karhan. Zwar blieb die deutsche Defensive erstmals seit der WM 2002 im vierten Spiel in Serie ohne Gegentor. Doch die unsicheren Innenverteidiger Arne Friedrich und Manuel Friedrich sowie der auf Links wieder als Notnagel eingesetzte Thomas Hitzlsperger könnten in dieser Verfassung beim Kampf um Punkte in der Slowakei ein Risiko sein. Der Stuttgarter hatte auf der weiter ungewohnten Position schon vor 13 Monaten beim 0:2 in Bratislava die Offensiv-Stärke der Slowaken leidvoll erfahren müssen.

Wie vor der WM ist die Abwehr wegen der Ausfälle von Stammkräften wie Per Mertesacker und Christoph Metzelder wieder die Problemzone in einem ansonsten funktionierenden Team. Gerade im Defensivzentrum hat Löw zum doppelten Friedrich praktisch keine Alternative. Wir haben in der einen oder anderen Situation sicher Glück gehabt, dass die Null weiter Bestand hat, sagte der Bundestrainer. Auch Ersatztorwart Timo Hildebrand konnte die Diskussionen um seinen Status als Nummer 2 nicht beenden. Nur Neuling Clemens Fritz erfüllte mit einer soliden Leistung die Erwartungen. Sollte Löw den in Rostock geschonten Philipp Lahm auf der linken Seite einsetzen, darf sich der Bremer Hoffnungen auf einen weiteren Starteinsatz in der Slowakei machen.

Erstmals seit Mai 2002 feierten gleich vier Neulinge Premiere im DFB-Trikot. Für den von Löw sehr gelobten Piotr Trochowski sowie Alexander Madlung und Jan Schlaudraff bleibt in Bratislava aber wohl nur ein Platz auf der Bank. Mit der Rückkehr des ganz oder teilweise pausierenden WM-Quartetts Lahm, Miroslav Klose, Bernd Schneider und Torsten Frings, das am Tag nach dem Spiel in Kühlungsborn intensiv trainierte, verknüpft der Bundestrainer die Hoffnung auf noch mehr Schwung und vor allem Stabilität. Die werden neue Energie haben, sagte Löw, der seine beeindruckende Startserie als Chefcoach bei dem beschwingten Heimausklang im WM-Jahr auf vier Siege und 19:0 Tore ausbaute.

Die Erkenntnis von Rostock war, dass die bewährten Kräfte für den WM-Dritten unverzichtbar sind. Es gab Spieler, die besonders in der Verantwortung waren wie Michael Ballack oder auch Bastian Schweinsteiger, die mitgeholfen haben, die Mannschaft zu führen, die jungen Spieler anzuleiten, damit wir auch einen guten Fußball spielen können. Das haben sie gemacht, und das hat mich auch sehr gefreut. Vor allem Bastian Schweinsteiger hatte einen Klassetag, sagte Löw.

Mit seinem Traumtor zum 1:0 (24. Minute) und der Vorlage zum Tor des ebenso überzeugenden Kapitäns Michael Ballack (67.) rundete der Münchner eine Glanzleistung ab, die seinen neuen Stellenwert in der DFB-Elf untermauerte. Ich versuche, dem Spiel meinen Stempel aufzudrücken. Fußball allein macht schon so viel Spaß - und dann noch mit so vielen jungen Spielern; dass man dann noch gewinnt, macht noch mehr Spaß. So kann es ruhig weitergehen, sagte der 22-Jährige.

Das Gegenstück zu seinem Kumpel Schweini lieferte Podolski. Ein eindringliches Gespräch mit Löw steht ihm nach der Roten Karte wegen des Tritts gegen Surab Chisanischwili (48.) bevor. Er hat im Affekt gehandelt. Aber das kann man nicht gutheißen, sagte Löw.

Der Sünder zeigte Reue: Es tut mir Leid für die Mannschaft. Vielleicht kann ich das mit einem Tor gegen die Slowakei wieder gutmachen, sagte Podolski, der gegen die Slowakei wegen der FIFA-Regeln trotz seiner Tätlichkeit spielen darf und erst im nächsten Freundschaftsspiel im Februar 2007 fehlen wird. Wir können von Glück reden, dass er am Mittwoch nicht gesperrt sein wird, sagte Löw. Da Oliver Neuville weiter angeschlagen ist und Miroslav Klose nicht im Vollbesitz seiner Kräfte scheint, hätte ein Ausfall von Podolski auch im Angriff Probleme bereitet.


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