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Katalanen und Basken spielen für Unabhängigkeit | 2006-10-09


Barcelona/Madrid - Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Fußballspiel von zwei regionalen Auswahlmannschaften mehr als 56 000 Zuschauer anlockt. Noch ungewöhnlicher ist dies bei einer Partie, deren Ausgang niemanden interessiert.

In Barcelona brachten es die Teams der spanischen Regionen Katalonien und Baskenland bei ihrem Freundschaftsspiel fertig, mehr Fans zu mobilisieren, als dies die spanische Nationalelf normalerweise tut.

Dabei war das fußballerische Geschehen im Camp-Nou-Stadion Nebensache. Den Katalanen und Basken ging es bei ihrem ersten Aufeinandertreffen seit 35 Jahren nicht so sehr um Flanken, Dribblings und Tore, sondern um eine sportpolitische Demonstration: Beide Regionen wollen eigene Nationalmannschaften haben und an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen. Dieser Forderung sollte Nachdruck verliehen werden.

Schottland oder Wales dürfen auch an internationalen Wettbewerben teilnehmen, und in Großbritannien regt sich niemand darüber auf, betonte der katalanische Regierungschef Pasqual Maragall. Sein baskischer Amtskollege Juan José Ibarretxe ergänzte: Ich habe nichts gegen die spanische Nationalelf, wie ich auch nichts gegen die italienische habe. Aber meine Nationalelf ist die baskische.

Spanien weigert sich jedoch, es den Katalanen und den Basken zu gestatten, eigene Auswahlteams für Welt- und Europameisterschaften aufzubieten. Solange Madrid bei dieser Haltung bleibt, haben Katalonien und das Baskenland keine Chance, von den internationalen Verbänden wie der FIFA oder der UEFA anerkannt zu werden.

Vielen Zuschauern im Camp-Nou-Stadion ging es jedoch nicht allein um die Frage der Nationalteams. Sie wollten mehr. Ein großer Teil der 56 000 Besucher demonstrierte dafür, dass Katalonien und das Baskenland sich von Spanien lossagen und unabhängige Staaten bilden. Catalonia is not Spain, stand in großen Lettern auf einem Spruchband. Auf den Rängen wurden separatistische Flaggen und Transparente mit Sympathiebekundungen für inhaftierte Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA geschwenkt.

Das Spiel Katalonien gegen das Baskenland wurde zu einer separatistischen Massenkundgebung, schrieb die Zeitung El Mundo. Einige Besucher verhöhnten die - in Barcelona unbeliebte und teilweise sogar verhasste - spanische Nationalelf. Sie hatten schwedische Fahnen mitgebracht, um an Spaniens 0:2-Schlappe in der EM-Qualifikation in Schweden zu erinnern.

Dabei hatten mit Carles Puyol, Joan Capdevila, Xavi, Cesc Fabregas und Luis García gleich fünf Katalanen für Spanien gespielt. Sie durften im Freundschaftsspiel Katalonien-Baskenland nicht eingesetzt werden. Diese Partie endete übrigens 2:2.


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