Heiligendamm - Joachim Löw würde Philipp Lahm am liebsten klonen, denn eine zweite Ausgabe des kleinen Außenverteidigers käme dem Bundestrainer im Moment gerade recht. Ob auf rechts oder links: Der 22-Jährige hat sich bei der Fußball-Nationalmannschaft praktisch unersetzlich gemacht.
Durch die Verletzungsmisere in der Abwehr hätte Löw für Lahm beim wichtigen EM-Qualifikationsspiel in der Slowakei auf beiden Seiten Bedarf. Momentan spricht alles dafür, dass Lahm beim Gastspiel in Bratislava wieder auf seine angestammte linke Seite zurückkehrt und auf rechts der Bremer Clemens Fritz zum zweiten Mal im DFB-Trikot aufläuft.
Einen Wunsch äußerte Lahm nicht. Ich fühle mich auf beiden Seiten wohl. Man kann sich auf alles einstellen. Ausreichend Selbstvertrauen, vom Bundestrainer eine rechtzeitige Entscheidung zu verlangen, hat er hingegen mittlerweile schon. Spätestens erwartet er Löws Antwort, auf welcher Außenbahn er in Bratislava spielen wird. Dann wäre es mir schon recht, wenn ich es erfahren würde, sagte der Münchner im DFB-Quartier in Heiligendamm. Denn eigentlich braucht man schon einige Tage, um sich umzustellen.
Löw lässt am Stellenwert des Bayern-Profis für den WM-Dritten keinen Zweifel aufkommen. Es ist wichtig, dass diese Spieler zurückkehren, nannte er Lahm in einem Atemzug mit den anderen gegen Georgien geschonten WM-Größen Miroslav Klose, Bernd Schneider, Torsten Frings und Jens Lehmann. Seine famosen Auftritte bei der WM - inklusive das Traumtor zum Auftakt gegen Costa Rica - haben Lahm endgültig auch international ins Rampenlicht gerückt und unter anderem auch das Interesse des Ballack-Clubs FC Chelsea geweckt.
Die Schattenseiten des Profi-Fußballs liegen für Lahm noch nicht lange zurück. Im Jahr 2005 zwang ihn zunächst im Januar ein Mittelfußbruch und vier Monate später - kurz vor seiner Rückkehr vom VfB Stuttgart nach München - ein Kreuzbandriss zu langen Pausen. Beim FC Bayern feierte er aber 2006 auf der linken Außenbahn ein erstaunliches Comeback und ließ sich auch nicht von einer Ellenbogen- Operation kurz vor der WM aus dem Tritt bringen.
Mit bislang 28 Länderspielen gehört er im Nationalteam zur gleichen - fest etablierten - Generation wie seine Vereinskollegen Lukas Podolski (36 DFB-Einsätze) und Bastian Schweinsteiger (39). Nach WM-Stress und Dauerbelastung war Lahm froh über die kleine Pause gegen Georgien. Es tut auch mal gut, wenn man sich ausruhen darf, sagte er. Beim FC Bayern fehlte ihm nämlich in den vergangenen Wochen gelegentlich die Spritzigkeit für seine gefährlichen Vorstöße.
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