Gelsenkirchen - Jung, dynamisch, unverbraucht - der starke Auftritt von Ivan Rakitic versetzte selbst den Kaiser ins Schwärmen. Er ist heute der absolut beste Spieler, urteilte Franz Beckenbauer in der Halbzeit des Spitzenduells zwischen Bayern München und Schalke 04.
Mit seinem starken Auftritt und dem Treffer zur 1:0-Führung stahl der Jungstar selbst arrivierten Bayern-Stars wie Franck Ribéry und Luca Toni die Show. Nach dem Schlusspfiff hatte Rakitic allen Grund zur Zufriedenheit: Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt, gegen den großen Oliver Kahn ein Tor zu schießen.
Der 3,5 Millionen Euro teure Neuzugang vom FC Basel nimmt die schwere Last erstaunlich leicht. Nur wenige trauten ihm zu, rasch in die Fußstapfen des in die Türkei transferierten Spielmachers Lincoln zu treten. Das sind nicht die Spieler, die Lincoln konstant ersetzen können, befand Marc Wilmots noch vor Wochen. Der ehemalige Schalker Profi war nicht der einzige, der Kritik an der Personalpolitik des Revierclubs übte. Allgemeiner Tenor: Grünschnäbeln wie Rakitic und Mesut Özil fehlt es an Erfahrung, um den hohen Zielen des Vereins gerecht werden zu können.
Auch die Clubführung geriet ins Grübeln. Sie bemühte sich intensiv um Ghanas WM-Star Stephen Appiah, konnte sich aber nicht mit Fenerbahce Istanbul einigen. Doch mit jeder guten Leistung des 19 Jahre alten Rakitic wurde das Wehklagen über den gescheiterten Transfer von Appiah leiser. Zur Freude von Andreas Müller: Ich verstehe die Kritik nicht, wonach wir nur Durchschnitt oder biedere Spieler gekauft haben. Das fand ich unseren jungen Leuten gegenüber unfair.
Nach dem 1:1 in München nutzte der Schalke-Manager die Gunst der Stunde zur Rechtfertigung. Vergleiche von Rakitic mit Lincoln gingen ihm ohnehin schon immer gegen den Strich: Es wird immer verkannt, dass wir ihn nicht als Spielmacher verpflichtet haben. Vielmehr haben wir ihn geholt, weil er ein guter offensiver Mittelfeldspieler mit Torgefahr ist. Derzeit haben wir in unserem Team keinen Spielmacher.
Gleichwohl wurde Rakitic von Beginn an als neuer Regisseur gehandelt. Dazu trug der in der Schweiz geborene kroatische Nationalspieler selbst bei, als er sich zu Saisonbeginn selbstbewusst für das Trikot mit der Nummer 10 entschied. Nach anfänglicher Skepsis haben ihn die Schalke-Fans ins Herz geschlossen. Zwar agiert er noch nicht auf stetig hohem Niveau, ließ aber nicht nur bei seinen wichtigen Treffern in Stuttgart und München großes Potenzial erkennen.
Neben Schalke-Coach Mirko Slomka erfreut sich auch Slaven Bilic an der positiven Entwicklung des schussstarken Shooting-Stars. Der kroatische Nationaltrainer ist dankbar, dass sich Rakitic trotz seiner Vergangenheit im Schweizer Juniorenteam gegen eine Zukunft in der Auswahl der Eidgenossen entschieden hat: Er ist ein brillantes Talent.
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