Hamburg - Juan Pablo Sorin lässt sich auch in Krisenzeiten nicht aus der Ruhe bringen. Was der Hamburger SV zur Zeit in der Fußball-Bundesliga durchmacht, hat sein neuer Star alles schon erlebt.
Ein verpatzter Saisonstart in der Liga, zusätzliche Belastung und gestörte Konzentration durch die Champions League, jede Menge Druck von außen: Mit Villarreal hatten wir mal eine ähnliche Situation zu Saisonbeginn, berichtet der Argentinier vor der Partie gegen den FC Schalke 04 - und weist seinem Team zugleich den Weg aus dem Tal. Wir müssen jetzt den Overall anziehen und arbeiten, fordert er, das ist kein großes Geheimnis.
Nach einem Geheimrezept klingt das tatsächlich nicht, aber Sorins Wort hat Gewicht beim HSV in diesen Tagen. Der 30-Jährige soll mit seiner Klasse und seiner Erfahrung als Führungsfigur vorangehen und den Erfolg zurückbringen - am besten schon gegen Schalke. Es gibt nichts, was so viel Selbstvertrauen einflößt wie ein Sieg, sagt er. In zwölf Pflichtspielen ist das dem HSV bislang nicht gelungen, auch mit Sorin blieb das Team drei Mal sieglos. Wie soll sich das ändern? Wir müssen jetzt jedes Spiel wie ein Finale spielen, fordert Sorin. Gegen Schalke bedeute das vor allem: 90 Minuten lang kämpfen.
Dass es in den vergangenen Spielen nicht für 90 Minuten Konzentration gereicht hat, ist für Sorin der Hauptgrund für die Misere. Die Mannschaft hat interessante Dinge gezeigt, aber es fehlt uns, mal ein Spiel komplett gut zu spielen. So sei es auch bei seinem Debüt im HSV-Dress gewesen, dem 1:1 gegen Werder Bremen. Doch gerade diese Partie macht ihm Mut. Als wir zu zehnt waren, hat die Mannschaft einen Geist gezeigt, an den wir uns klammern müssen, sagt er und tritt zugleich energisch Spekulationen über mangelnden Teamgeist entgegen: Man muss nicht Probleme suchen, wo keine sind.
In Deutschland, erzählt Sorin, habe er sich trotz der bitteren Erinnerungen an das WM-Aus im Viertelfinale gut eingelebt. Die Spieler hätten ihn sehr herzlich aufgenommen, und der Verein habe ihm alles gegeben, was sich ein neuer Spieler wünschen könne. Nun sei es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Das Spiel gegen Schalke ist dabei auch so etwas wie ein zweiter Start beim HSV für ihn: Nachdem er seine Wadenprobleme überwunden und den Trainingsrückstand aufgeholt hat, sollte er jetzt in der Topform sein, die ihn zum 75-maligen Nationalspieler und zum WM-Kapitän der Albiceleste gemacht hat.
Für ihn und den HSV geht es nun richtig los, daran lässt Sorin keinen Zweifel. In schwierigen Zeiten wächst eine Mannschaft zu Größe - oder aber sie löst sich am Ende selbst auf, lautet die harte Erkenntnis, die der Spezialist für die linke Seite bei seinen zahlreichen Stationen in Südamerika und in Europas Top-Ligen gewonnen hat. Schon nach dem Schalke-Spiel könnte der HSV eine klarere Vorstellung haben, in welche Richtung der Weg führt.
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