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Aachens historische Momentaufnahme | 2006-10-15


Mainz - Die Tabelle der Fußball-Bundesliga will sich Michael Frontzeck erst nach dem 34. und letzten Spieltag ausschneiden, wenn dort der Klassenverbleib von Alemannia Aachen dokumentiert ist.

Unsere Tabellenführung ist eine tolle Sache für die Fans und das Umfeld. Auch ich habe nichts dagegen. Aber es sind nur drei Punkte gegen den Abstieg, die uns keiner mehr nehmen kann, sagte der 42 Jahre alte Coach, nachdem der Aufsteiger dank des 3:1 (2:1)-Sieges beim FSV Mainz 05 für einen Tag erstmals seit dem 24. August 1968 an der Spitze der Eliteliga stand.

Das Hochgefühl dauerte 19 Stunden, dann zogen die Renommierclubs Werder Bremen, Bayern München und Schalke 04 wieder an dem Emporkömmling vorbei. Vor 38 Jahren wurden die Alemannen Vizemeister hinter Bayern München, in der Folgesaison stiegen sie als Tabellenletzter ab.

Das will Frontzeck unbedingt vermeiden. Ich weiß, es werden noch schwere Zeiten auf uns zukommen. Aber die Expertenmeinung, dass wir erster Absteiger sein werden, habe ich nie geteilt. Dafür hat die Mannschaft sehr viel Substanz, meinte der ehemalige Gladbacher Nationalspieler. Ihre Qualitäten zeigten die Aachener erst nach dem 0:1-Rückstand durch Marco Roses erstes Saisontor (29.). Erst von da an haben wir richtig Fußball gespielt, meinte Frontzeck.

Als Lohn für verstärktes Engagement kippten das Abstaubertor von Thomas Stehle (34.) in dessen erstem Bundesligaspiel seit dreieinhalb Jahren und der Sonntags-Schuss von Sascha Rösler (38.) aus fast 30 Metern das Spiel. Bei beiden Treffern machte der Mainzer Torwart Dimo Wache keine gute Figur. Den Schlusspunkt gegen die in der zweiten Halbzeit drückend überlegenen Mainzer setzte Marius Ebbers mit seinem Kontertor zum 3:1 (78.). Das war ein Konter vom Allerfeinsten und ein Tor aus dem Lehrbuch, strahlte Frontzeck über den von Jan Schlaudraff und Rösler mustergültig heraus gespielten Treffer.

Während die mitgereisten 2000 Alemannia-Fans (Nie mehr zweite Liga) im mit 20 300 Zuschauern ausverkauften Bruchweg-Stadion aus dem Häuschen waren, blieben die Akteure des historischen Abends auf dem Teppich. Torschütze Rösler sagte: Wir müssen den Ball flach halten. Für uns zählt nur der Abstiegskampf. Und Neu-Nationalspieler Schlaudraff meinte: Im Moment kommt vieles zusammen, was wir uns erhofft haben. Aber wir müssen realistisch bleiben. Es geht nur darum, möglichst schnell 40 Punkte zusammen zu bekommen. Schon zwölf sind es nach dem vierten Sieg aus den letzten fünf Spielen.

Auf mageren sieben Punkten blieben dagegen nach der ersten Heimpleite seit acht Spielen die Mainzer sitzen, die Gefahr laufen, dass ihnen die Alemannia den Ruf als Kultclub der Liga streitig macht. FSV-Präsident Harald Strutz (Wir hätten noch fünf Stunden spielen können, ohne ein Tor zu machen) warnte indes vor Panikmache: Wir haben keinen Grund, unruhig zu werden. Der sonst so eloquente Trainer Jürgen Klopp hatte Mühe, die Niederlage zu erklären. Ich habe viele positive Dinge gesehen, die wir in die nächsten Spiele mitnehmen werden, meinte er. Der Verlust an erstklassigem Offensiv-Potenzial wie Mohamed Zidan, Michael Thurk, Benjamin Auer oder Antonio da Silva war auch dem Coach nicht verborgen geblieben.


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