Frankfurt/Main - Matthias Sammer hat keine Fußball-Revolution ausgerufen. Das mit Spannung erwartete Nachwuchskonzept des DFB-Sportdirektors setzt auf viel Bewährtes und beinhaltet wenig Neues.
Immerhin schwor der Europameister von 1996 die Führung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei der Präsentation auf ein klares Bekenntnis zur Elite und eine groß angelegte Schulsport-Offensive ein. Ich werde den Fußball nicht neu erfinden. Wir haben bereits gute Programme und Ansätze in der Ausbildung unserer Talente, sagte Sammer.
Sein Konzept sei eine Orientierung. In den Punkten Schulsport und Individualförderung sieht Sammer allerdings dringenden Handlungsbedarf. Der seit 1. April im Amt befindliche Sportdirektor will den Rückenwind der WM nutzen und fordert die Einführung einer täglichen Schulsportstunde. Zudem müsse es bereits im Kindergarten eine umfassende Bewegungsschulung geben. Man vergisst manchmal, dass die, die 2026 Weltmeister werden wollen, heute schon auf der Welt sind. Wir haben neben der fußballerischen auch und besonders eine gesellschaftliche Verantwortung, appellierte Sammer.
Die Entwicklung in Deutschland tue ihm persönlich weh. Daher hat sich der 39 Jahre alte Familienvater auf die Fahne geschrieben, eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Das Krankheitsbild der Kinder ist dramatisch. Wir müssen an die Eltern ran, die Politik, die Wirtschaft, die anderen Sportverbände und den DOSB. Wenn ich mit der Politik rede, werde ich mit meiner früheren Grätsche reingehen, kündigte Sammer intensive Gespräche an.
Lob gab es dafür von DFB-Präsident Theo Zwanziger. Ich bin sehr angetan von seinem Konzept. Wichtig ist, dass es einen gesellschaftlichen Kontext beinhaltet, sagte Zwanziger. Das zehn Punkte umfassende Programm sei aber nur eine erste Bestandsaufnahme. Die Finanzierung ist laut Sammer gesichert. Derzeit fließen jährlich zehn Millionen Euro in die Nachwuchsförderung, einen Teil dieses Geldes wird der DFB künftig in die Eliteförderung umleiten. Zu einem guten Konzept gehört immer der Preis. Der DFB hat die Power, die besten Fördermaßnahmen zur Verfügung zu stellen und bekennt sich zur Elite, erklärte Sammer.
Er kündigte an, dass sich die Individualförderung der Talente im DFB grundlegend ändern werde. Leistungsdiagnostik, Videoanalysen und langfristige Trainingspläne müssten unverzichtbare Bestandteile der Nachwuchsarbeit werden. Ab der U 16 werden wir dies definitiv einführen, erklärte der frühere Nationalspieler. Es gelte Persönlichkeiten auf und neben dem Platz zu entwickeln. Bei der Trainerausbildung solle künftig mehr Wert auf die Taktik-Schulung und die Form des Ausdauertrainings gelegt werden. Wenn wir das hinbekommen, sind wir einen gewaltigen Schritt weiter. Die Trainer sind der Schlüssel zum Erfolg, genauso wie die Lehrer in der Schule, meinte Sammer.
Das bestehende DFB-Talentförderprogramm mit 387 Stützpunkten, 1200 Honorartrainern und 29 Koordinatoren will er optimieren. Im DFB erhofft sich Sammer eine einheitliche und vernünftige Regelung für altersgerechte Spielfelder und Wettbewerbe. Wir jagen die Kinder mit 10, 11 Jahren über die großen Felder, das ist Wahnsinn. Das müssen wir ändern, appellierte er. In den kommenden Wochen wird er auf einer Missionsreise zu den Landesverbänden und Vereinen um eine breite Zustimmung für sein Konzept werben.
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