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Schuster erteilt Real eine Lehrstunde | 2006-10-15


Madrid - Bernd Schuster hat dem spanischen Rekordmeister Real Madrid eine Fußball-Lehrstunde erteilt. Die vom deutschen Trainer glänzend eingestellte Elf des Madrider Vorstadtclubs FC Getafe schlug den großen Nachbarn mit 1:0 (0:0).

Dabei spielte Schusters Mannschaft die Königlichen beinahe an die Wand. Das Schuster-Team vergab nach dem Kopfballtor von Alexis in der 60. Minute zahlreiche Torchancen und hätte Reals Starensemble auch 3:0 oder 4:0 schlagen können. Das war mein erster Sieg über Real, freute sich der Ex-Weltklassespieler, der früher selbst das weiße Trikot der Madrilenen getragen hatte.

Mit dem Erfolg revanchierte sich der blonde Engel dafür, dass Real-Präsident Ramón Calderón nicht ihn, sondern Fabio Capello als Trainer verpflichtet hatte. Der Clubchef hatte eigentlich Schuster unter Vertrag nehmen wollen, sich dann aber für den Italiener entschieden, weil er sich nach drei Jahren ohne Titel von diesem eine Erfolgsgarantie versprach. Welch ein Riesenfehler!, hielt das Sportblatt As dem Real-Präsidenten vor. Hätte er doch nur Don Bernardo verpflichtet! Jetzt ist Getafe die Fußball-Hauptstadt.

Für die Madrilenen, die noch nie beim kleinen Nachbarn gewinnen konnten, war das 0:1 die erste Saisonniederlage in der Primera División. Noch schwerer wog das klägliche Bild, das die Weißen abgaben. Sie wirkten kraft- und ideenlos. Die Real-Kicker wollten vom Ball gar nichts wissen, als wären sie allergisch dagegen, meinte die Zeitung El País. As zog die Schlussfolgerung: Mit Real geht es nicht bergauf, sondern immer weiter bergab. Die Saison hat erst begonnen, aber das Team wirkt schon jetzt verbraucht und resigniert.

Im gesamten Spiel gelang den millionenschweren Stars kein einziger Schuss auf das Tor von Getafe. Dabei hatte Capello in der zweiten Halbzeit mit Ruud van Nistelrooy und Ronaldo eine Doppelspitze von bewährten Torjägern aufgeboten. Aber Ruud & Ronie traten kaum in Erscheinung. Ronaldo sah in der Schlussminute gar die Gelb-Rote-Karte wegen Meckerns. Der Brasilianer war sich jedoch keiner Schuld bewusst: Ich habe dem Schiedsrichter nur gesagt, dass er phänomenal ist. Nun muss er in einer Woche beim Derby gegen den Erzrivalen FC Barcelona zuschauen.

Capello hatte sich zu Saisonbeginn eine Schonfrist von 50 Tagen auserbeten. Danach, so versprach der Trainer, werde Real einen guten und erfolgreichen Fußball spielen. Diese Frist war am Tag des Spiels in Getafe abgelaufen. Vielleicht meinte der Trainer nicht 50 Tage, sondern 50 Wochen, witzelte El Mundo. Was Real gezeigt hat, war kein Fußball, sondern eine Misere in Weiß.


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