Shanghai/Wuhan - Der Taifun Wipha hat den Spielpan bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China kräftig durcheinander gewirbelt, doch die deutsche Nationalmannschaft ist von den Wetter-Kapriolen unberührt geblieben und sicher im sonnigen Wuhan angekommen.
Einen Tag nach dem Einzug ins WM-Viertelfinale mit dem 2:0-Sieg gegen Japan mussten die deutschen Damen schon wieder Koffer packen und von Hangzhou nach Wuhan reisen. Wegen des Taifuns mit starken Regenfällen und heftigen Winden wurden zahlreiche Flüge in China abgesagt oder verschoben.
Die DFB-Elf traf deswegen erst mit gut einstündiger Verspätung in Wuhan ein, wo die Sonne bei Temperaturen um 30 Grad strahlte. Am späten Nachmittag checkte der Tross im Mannschaftshotel Howard Johnson Pear Plaza ein. Es war ein ruhiger Flug. In der Luft haben wir nichts von dem Taifun gemerkt. Hier ist wunderschönes Wetter, berichtete DFB-Sprecher Niels Barnhofer den deutschen Medien, die erst einen Tag nach dem Team von Shanghai nach Wuhan fliegen sollen.
Dagegen nahm der plötzliche Wetterumschwung weiter östlich Einfluss auf den Spielplan. Zwei WM-Partien wurden bereits frühzeitig verschoben. Wie der Fußball-Weltverband FIFA mitteilte, sind die für den 19. September angesetzten Spiele Norwegen - Ghana (Gruppe C) und Brasilien - Dänemark (Gruppe D) auf den darauf folgenden Tag verlegt worden. Die Partie Norwegen - Ghana wird statt in Shanghai in Hangzhou ausgespielt. Drei Stunden später soll ebenfalls im Dragon-Stadion von Hangzhou das Spiel Brasilien - Dänemark stattfinden.
Die abschließenden Partien in der Gruppe B, Nigeria - USA (0:1) in Shanghai und Nordkorea - Schweden (1:2) in Tianjin, gingen wie geplant über die Bühne. Wir hatten uns nach Rücksprache mit den lokalen Organisatoren entschlossen, die Spiele auszutragen, sagte FIFA-Sprecher Nicolas Maingot. Allerdings trieb Wipha vor allem in Shanghai sein Unwesen. Der ohnehin arg ramponierte und nicht richtig angewachsene Rasen im Hongkou-Stadion war durchweicht und sehr schwer bespielbar. Zudem durften aus Sicherheitsbedenken nur US-Journalisten und Medienvertreter aus Nigeria sowie internationale Agenturen auf die Pressetribüne. Denn nur die obersten beiden Sitzreihen konnten genutzt werden. Weiter unter, wo es einregnete, untersagte die FIFA das Arbeiten mit elektronischen Geräten aus Angst vor Kurzschlüssen.
Laut Shanghai Daily mussten in Shanghai etwa 200 000 Menschen vor dem Taifun in Sicherheit gebracht werden. Die Behörden räumten etliche Gebäude. Die Stadtregierung rechnet in den nächsten zwei, drei Tagen mit einem der schwersten Stürme seit 1997. Meteorologen erwarten, dass der Tropensturm das chinesische Festland in der Nachbarprovinz Zhejiang erreichen wird. Von den Evakuierungen sind vor allem Bewohner in den Küstenregionen der Shanghaier Außenbezirke betroffen sowie Besitzer mobiler und baufälliger Behausungen. Den Angaben zufolge soll Wipha den letzten großen Sturm Saomai aus dem Jahr 2006 übertreffen.
Bereits am frühen Nachmittag beeinträchtigten die schweren Regenfälle den Verkehr. Schiffe vor der Küste wurden in die Häfen zurückbeordert. In Taiwan war zuvor schon mindestens ein Mensch durch den Taifun getötet und ein weiterer verletzt worden. Der Tropensturm war von Japan herübergezogen.
Während in Shanghai der Taifun alles im Griff hat, spürte die DFB-Elf in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, keine Auswirkungen. Im Gegenteil: In der Metropole mit mehr als neun Millionen Einwohnern - rund 1000 Kilometer westlich von Shanghai am Zusammenfluss von Jangtse und Han-Fluss gelegen - lachte die Sonne. Im Wuhan-Sports-Center bestreitet Titelverteidiger Deutschland am 22. September das Spiel um den Einzug ins Halbfinale gegen Nordkorea. Jetzt kommen stärkere Gegner. Da müssen wir uns erheblich steigern, sagte Spielführerin Birgit Prinz. Und ergänzte: Denn Heimfahren wollen wir noch nicht.
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