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Clemens Fritz: Einst Luftikus, jetzt unverzichtbar | 2006-10-18


Bremen - Es gibt diese Phasen in einem Fußballerleben, in denen einfach alles gelingt. Clemens Fritz krönte seinen Höhenflug in Bochum mit seinem ersten Bundesligator für Werder Bremen - einem herrlichen Direktschuss in den Winkel.

Den wollte ich genau da oben reinhauen, sagte Fritz hinterher. Der forsche Spruch passte eigentlich nicht zu seiner zurückhaltenden Art, doch für großes Selbstbewusstsein hat der 25-Jährige derzeit allen Grund. In wenigen Wochen ist Fritz in Bremen zur unverzichtbaren Stammkraft auf der rechten Seite geworden, hat in der Champions League gegen Ronaldinho geglänzt und zudem ein starkes Debüt in der Nationalelf gegeben.

Es läuft zur Zeit bei mir. Ich freue mich richtig auf jedes Spiel, sagte Fritz, der zur neuen Spielzeit von Bayer Leverkusen nach Bremen gekommen war. Trainer Thomas Schaaf hatte noch in der Vorsaison das Spiel über die Außen als Schwachstelle seines Teams ausgemacht. Geschäftsführer Klaus Allofs verpflichtete daraufhin den gebürtigen Erfurter, der ablösefrei zu haben war. Es folgten weitaus prominentere Zugänge, doch auch wenn nun ein Diego im Bremer Mittelfeld zaubert oder ein Per Mertesacker in der Abwehr für neue Stabilität sorgt - am meisten überrascht hat bislang Fritz.

Er ist nicht mehr der Spieler der ersten Wochen, sagte Allofs nach dem 6:0 in Bochum über seinen neuerlichen Glücksgriff. Noch in der Vorbereitung war das Duell mit Patrick Owomoyela völlig offen, doch rechtzeitig zum Ligaauftakt setzte Fritz sich durch - auch, weil er in der Offensive stärker ist. Noch unter Klaus Augenthaler hatte er in Leverkusen vor Jahren vom Stürmer zum Spezialisten für die rechte Außenbahn umgeschult. Es liegt mir, aus der Tiefe zu kommen und das Spiel vor mir zu haben, sagte der offensive Defensivmann.

Bei Werder hat Fritz in dieser Saison - als zweiter Feldspieler neben Torsten Frings - noch keine einzige Bundesliga-Minute verpasst. Auch Bundestrainer Joachim Löw ließ ihn in den Spielen gegen Georgien und die Slowakei jeweils über die volle Distanz ran und lobte ihn vor allem nach dem 4:1 in Bratislava in hohen Tönen. Dabei hatte Fritz, der sich selbst als Kopfmensch sieht, noch fünf Wochen vor seinem Debüt keinen Gedanken an eine Berufung verschwendet. Über seine Leistung bei Werder sagte er damals: Die ist derzeit noch nicht so, dass ich Gedanken an die Nationalmannschaft haben dürfte.

Nun aber ist Fritz, der schon als 17-Jähriger als großes Talent galt, auf der großen Fußballbühne angekommen - wenn auch ein bisschen verspätet. Vielleicht wäre ihm schon eher der Durchbruch geglückt, hätte ihn nicht im Oktober 2004 ein Wadenbeinbruch zu einer 16-monatigen Pause gezwungen. Noch wichtiger war aber der Wandel seiner Einstellung zum Beruf. Früher habe man ihm öfter in den Hintern treten müssen. Ich war ab und zu ein echter Luftikus und im Training geistig etwas abwesend, gibt er zu, aber das ist Vergangenheit. In der Gegenwart kann Fritz jede Minute seines Höhenflugs genießen.


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