Lissabon - Trotz Unterzahl hat der FC Bayern München auch bei Sporting Lissabon gewonnen und seinen souveränen Siegeszug in Richtung Achtelfinale der Champions League fortgesetzt. Mann des Abends beim 1:0 (1:0)-Erfolg war Bastian Schweinsteiger.
Der Nationalspieler erzielte zunächst mit einem prächtigen Weitschuss das Siegtor (19. Minute), brachte sein Team dann durch eine Gelb-Rote-Karte (47.) aber in Bedrängnis. Mit einem starken Torwart Oliver Kahn als Rückhalt blieb der deutsche Fußball-Rekordmeister vor 37 559 Zuschauern im Stadion José Alvalade auch im dritten Spiel ohne Gegentor und baute seine Führung in Gruppe B mit neun Punkten aus. Schon im Rückspiel in 14 Tagen können die Münchner in der heimischen Allianz Arena den Einzug in die nächste Runde perfekt machen.
Wir können hoch zufrieden sein. Das war heute eine super Mannschaftsleistung. Man hat eigentlich nicht gesehen, dass wir ein Mann weniger waren. Besonders die Defensive stand sehr gut, sagte Bayern-AG-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Trainer Felix Magath war besonders mit der Anfangsphase zufrieden: Die ersten 20 Minuten haben mir sehr gut gefallen, dann haben wir das Spiel aus der Hand gegeben.
Magath setzte wie beim 4:2 gegen Hertha BSC wieder auf sein Offensiv-System - und wurde letztlich auch belohnt. Überraschend bot der Bayern-Trainer allerdings Roque Santa Cruz neben Lukas Podolski und Claudio Pizarro auf und verzichtete dafür auf Roy Makaay als dritten Stürmer. Die Portugiesen haben keine großen Spieler. Wir wollen Vorteile bei Kopfbällen haben, begründete Magath den Vorzug des mit 1,91 m drei Zentimeter größeren Paraguayers.
Schnell übernahmen die Münchner die Initiative. Schweinsteiger erinnerte Sporting-Torwart Ricardo früh daran, dass er ihn bei der WM im Spiel um Platz drei schon zwei Mal aus der Distanz überwunden hatte - und entlarvte gleich mit seinem ersten Fernschuss (8.) schonunglos dessen Unsicherheit. Als Mark van Bommel (10.) abzog und Ricardo den Ball wieder nicht festhielt, wurde Claudio Pizarro am Trikot gehalten, doch Schiedsrichter Terje Hauge (Norwegen) gab keinen Elfmeter.
Kurz darauf schlug Schweinsteiger mit einem 30-Meter-Hammer gegen seinen diesmal machtlosen Lieblingtorwart zu. Mit seinem zweiten Saisontreffer in der Champions-League-Saison konnte er die Nerven von Uli Hoeneß vorerst beruhigen. Der Manager der in Portugal weiter ungeschlagenen Münchner saß wegen seiner Sperre nicht wie gewohnt auf der Bank, sondern auf der Tribüne neben Karl-Heinz Rummenigge.
Bei Pizarros Kopfball (23.) nach einem weiteren Ricardo-Patzer hatte die Bayern-Führungsriege den Torjubel schon auf den Lippen, doch der Peruaner vergab die große Chance zum beruhigenden 2:0. Kurz darauf gerieten die Münchner in Bedrängnis und überließen Lissabon das Spiel. Liedson (31.) und Alecsandro (32.) boten sich beste Möglichkeiten. Nur Kahn rettete die Führung einer urplötzlich unkonzentriert agierenden Bayern-Elf. Und auf den Schlussmann sollte noch mehr Arbeit zukommen.
Zur zweiten Halbzeit brachte Magath Martin Demichelis für Andreas Ottl, weil diesem eine Gelb-Rote-Karte drohte: Doch es erwischte ausgerechnet den bis dahin überragenden Schweinsteiger. Nach einem Foul an Yannick stellte ihn Hauge, der im Champions-League-Finale auch Jens Lehmann des Feldes verwiesen hatte, mit der Ampelkarte vom Platz. Magath musste seine Taktik ändern und brachte für die zu erwartende Abwehrschlacht Hasan Salihamidzic und Julio dos Santos für Santa Cruz und den wirkungslosen Podolski.
Sporting erhöhte wie erwartet den Druck und belagerte den Bayern-Strafraum. Anderson Polga traf als erstes Achtungszeichen den Pfosten (58.). Kahn parierte gegen den agilen Yannick (71.) und rettete seinem Team den Sieg. Praktisch ohne Entlastungsangriffe mussten die Münchner allerdings ein enormes kämpferisches Pensum abliefern und verbrauchten vier Tage vor dem Bundesliga-Gipfel gegen Werder Bremen viel Kraft.
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