Potsdam - Nach dem frühzeitigen K.o. auf europäischer Bühne sucht der deutsche Frauenfußball-Meister Turbine Potsdam krampfhaft einen Weg zurück zu alter Stärke.
Die Mannschaft besitzt derzeit kein internationales Format. Das muss man einfach anerkennen, bilanzierte Trainer Bernd Schröder nach dem Ausscheiden im UEFA-Pokal gegen Bröndby Kopenhagen. Vom Niveau der Vorsaison, als die Brandenburgerinnen beide nationale Titel geholt hatten und bis ins UEFA-Cup-Finale vorgestoßen waren, sind die Turbinen derzeit meilenweit entfernt.
Vor allem in der Offensive versprühte das im Rückspiel gegen den dänischen Meister mit drei Spitzen angetretene Team viel zu wenig Gefahr. Momentan haben wir im Angriff nicht das Fortune und das Format. Man kann nicht alles mit Kampf und Krampf machen, bemängelte Schröder, der im Sommer Topstürmerin Petra Wimbersky an den Erzrivalen 1. FFC Frankfurt verlor. Wir suchen noch eine Stürmerin - das ist klar, betonte Schröder. In der Bundesliga hat Titelverteidiger Turbine schon zwei Mal verloren, im Pokal droht gegen den derzeitigen Tabellen-Zweiten FCR Duisburg der nächste Rückschlag.
Das wird das Spiel des Jahres für uns, unterstrich Chefcoach Schröder und machte die Heimpartie damit zum frühen Knackpunkt. Wenn wir da auch ausscheiden, siehts in diesem Jahr schlecht aus, erklärte Nationalstürmerin Conny Pohlers. Für die ehemalige Betriebssportgemeinschaft Turbine ging es zuletzt stetig bergauf. Zwei Meistertitel, drei Pokalsiege in Serie und der UEFA-Cup-Sieg 2005 machten Potsdam in den vergangenen drei Jahren zur klaren Nummer 1 im deutschen Frauen-Fußball. Doch dieser Status wackelt bedenklich.
Was wir gezeigt haben, ist das Optimum. Das ist nicht befriedigend, ist aber so, gestand Schröder nach dem 2:1 im Rückspiel gegen Kopenhagen (Hinspiel 0:3). Man müsse der Mannschaft Zeit geben, sich zu entwickeln. Dennoch wird in Potsdam laut über eine schnelle Verpflichtung von Nationalspielerin Inka Grings diskutiert, die zum Jahresende vom FCR Duisburg scheiden will. Inka Grings ist seit Jahren daran interessiert nach Potsdam zu wechseln. Wir haben zuletzt häufiger miteinander gesprochen, bestätigte Schröder. Aber der erste Schritt müsse von ihr kommen.
Doch Grings, die in 64 Länderspielen immerhin 41 Mal traf und EM-Torschützenkönigin 2005 war, spaltet schon jetzt die Meinungen. Vom Menschlichen her ist sie nicht so der Bringer. Das Thema interessiert mich nicht, bemerkte Kollegin Pohlers. Und auch Schröder, der von den sportlichen Qualitäten der 27-jährigen Angreiferin angetan ist, sieht offenbar einige Risiken: Man darf sich keine Leute einhandeln, die charakterlich schwach sind und zum Beispiel Unruhe reinbringen, indem sie den Trainer kritisieren. In Duisburg löste eine öffentliche Kritik von Grings an Trainer Dietmar Herhaus das Zerwürfnis aus, das zu den Wechsel-Bestrebungen der Spielerin führte.
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