Bochum - Für Marcel Koller hat die stürmische Jahreszeit begonnen. Der Trainer des VfL Bochum läuft Gefahr, nach Peter Neururer (Hannover 96) zweites Opfer der gewohnt turbulenten Bundesliga-Herbstsaison zu werden.
Trotz des vor fünf Monaten geglückten Wiederaufstiegs in die höchste Spielklasse steht der 45-Jährige beim Revierclub im Gegenwind. Gut möglich, dass die beiden nach der Auswärtspartie in Dortmund bevorstehenden Heimspiele gegen den Karlsruher SC (DFB-Pokal) und den VfL Wolfsburg (Bundesliga) über sein Schicksal in Bochum entscheiden. Bleiben Erfolge aus, könnten sich die bisherigen Treueschwüre der Vereinsspitze für den Fußball-Lehrer als Lippenbekenntnisse erweisen.
Koller weiß, dass er unter besonderer Beobachtung steht: Es ist klar, wenn du unten stehst und verlierst, wird alles auf den Trainer abgeladen. Ich muss das einstecken, auch wenn wir alle im selben Boot sitzen, klagte er nach der höchsten Heimschlappe (0:6) in der Vereinsgeschichte gegen Werder Bremen. Dennoch bringt er für die Koller-Raus-Rufe einiger Fans und die kritischen Medien-Kommentare nur bedingt Verständnis auf: Ich kenne die Mechanismen. Aber warum muss es immer der Trainer sein? Die Statistiken beweisen, dass ein Trainerwechsel in dieser Situation nichts bringt.
Der bisherige Saisonverlauf macht wenig Mut. Selbst die Spiele gegen Mainz (1:2), Cottbus (0:1) und Aachen (1:2) gingen verloren - allesamt Mannschaften, deren selbst erklärtes Ziel ebenfalls der Klassenverbleib ist. Von einem schweren Auftaktprogramm kann deshalb nicht die Rede sein. Viel zu häufig musste Koller hilflos mit ansehen, wie seine Profis alle guten Vorsätze außer Acht ließen: Oft stehe ich an der Seitenlinie und will auf den Platz laufen und selber in die Zweikämpfe gehen.
Noch genießt der 55-malige Schweizer Nationalspieler, der bei seiner ersten Bundesliga-Trainerstation in Köln zunächst als Entdecker von Lukas Podolski gefeiert, aber nach dem Bundesliga-Abstieg 2004 gefeuert worden war, das Vertrauen der Clubführung. Zwar sprach VfL-Chef Werner Altegoer nach dem Debakel gegen Bremen im Kicker verärgert von Angsthasen-Fußball, dem Coach aber das Vertrauen aus: Ich sags ganz deutlich, wir haben keine Trainerdiskussion. Darüber hinaus warnte Sportvorstand Stefan Kuntz vor Aktionismus und attestierte Koller gute Arbeit.
Inständig hofft Koller auf eine Trotzreaktion seiner Profis: Sie haben eingesehen, welch große Scheiße sie gebaut haben. Einzelgespräche und ein verschärfter Kampf um die Stammplätze sollen zur Überwindung der Krise beitragen. Den Glauben an ein Happy End hat der Schweizer noch nicht aufgegeben: Es gibt keinen anderen Weg als den, den wir gehen. Arbeit, Arbeit, Arbeit - und sich dabei nicht von Außen beeinflussen lassen.
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