Buenos Aires - Das für den 22. Oktober angesetzte Spiel der ersten argentinischen Fußballliga zwischen Boca Juniors und Racing ist wegen der zunehmenden Gewalt in den Stadien abgesagt worden.
Racing hatte zuvor erstmals in der Geschichte des argentinischen Fußballs von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und dem Fanverein von Boca Juniors, der so genannten Doce, Hausverbot erteilt. Diese Entscheidung wurde jedoch von einem Richter wieder aufgehoben. Daraufhin verweigerten die Behörden die Entsendung der vorgesehenen etwa 1000 Polizisten in das Stadion und das Spiel wurde automatisch abgesagt. Bei Spielen zwischen beiden Vereinen gab es in den vergangenen 20 Jahren allein drei Tote und zahlreiche Verletzte.
Die Entscheidung von Racing, die Doce nicht mehr ins Stadion zu lassen, wurde in den Medien und von anderen Vereinen überwiegend begrüßt. Die Entscheidung des Richters, der Mitglied von Boca Juniors ist, wurde hingegen heftig kritisiert. In den Fanvereinen, den so genannten Barrabrava, sind die besonders treuen und besonders gewaltbereiten Fans organisiert. Zugleich aber sind sie nach Angaben von Kennern des Fußballs bei fast allen Vereinen das Zentrum einer mafiösen Verbindung zur Polizei.
Die Chefs der jeweiligen Barrabrava kontrollieren den Verkauf von Getränken und Essen in den Stadien sowie von Fanartikeln und organisieren auch die Bewachung von Parkplätzen. Diese Einnahmen kommen nach dem Spiel in einen großen Topf und werden mit der Polizei geteilt, die dafür die Mitglieder der Fanvereine weitgehend unkontrolliert in die Stadien lässt. Die Chefs der Barrabrava, die ihre Macht auf das Schreckenspotenzial ihrer Gruppe stützen, dirigieren in den Stadien sogar bisweilen die Polizeikräfte.
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