Dortmund - Eine Leistung an der Grenze des Zumutbaren brachte selbst die treuesten Fans von Borussia Dortmund auf die Barrikaden. Mit einem gnadenlosen Pfeifkonzert bedachten sie in der Schlussphase des Revierderbys gegen den VfL Bochum fast jede Aktion der Profis.
Das magere 1:1 (1:1) gegen den Tabellenletzten legte nicht nur spielerische Mängel, sondern auch atmosphärische Störungen offen. In erster Verärgerung heizte BVB-Kapitän Christian Wörns die ohnehin bedenkliche Stimmung noch an: Die Unruhe ist unnötig. Wenn sie von Vereinsseite hineingetragen wird, erschwert sie die Arbeit der Mannschaft.
Der in der Vorwoche nach Krisensitzungen und dem 3:2-Sieg bei Energie Cottbus mühsam zurückgewonnene Vereinsfrieden erwies sich als brüchig. Offenbar sind Team und Trainer noch immer schlecht auf Äußerungen von Hans-Joachim Watzke zu sprechen, der nach mäßigem Saisonstart mehr Leistung und Leidenschaft eingefordert hatte. Für den verbalen Vorstoß des Manndeckers hatte der BVB-Geschäftsführer wenig Verständnis: Eine solche Aussage steht ihm nicht zu.
Noch in der Nacht nach dem Abpfiff redeten Watzke und Wörns Tacheles. Danach gab sich der Profi reumütig. Diese Aussage war unüberlegt und ein Riesenfehler, räumte er in der Bild am Sonntag ein. Im Wissen um eine nun lauter werdende Kritik an Bert van Marwijk wollen alle Beteiligten weitere interne Scharmützel nun vermeiden. Vorsorglich schlug sich Wörns auf die Seite des Niederländers: Den Trainer trifft keine Schuld. Ich bin von seiner Arbeit überzeugt.
Alle aber wissen: Bleibt auch im Pokalspiel gegen Hannover 96 ein Erfolg aus, droht weiteres Ungemach. Vor allem die mäßige Heimbilanz verärgert die Anhänger: Selbst gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel wie Mainz (1:1), Hannover (2:2) und nun Bochum blieben Erfolge aus. Unter van Marwijks Regie konnten nicht einmal die Hälfte der Spiele in Dortmund (17 von 38) gewonnen werden. Der Streit zwischen Wörns und Watzke ließ den Fußball-Lehrer nur vordergründig kalt: Das hat doch nichts mit mir zu tun. Zwischen mir und der Mannschaft ist alles gut.
Auch Ebi Smolareks dritter Saisontreffer (35.) nach verdienter Bochumer Führung durch den agilen Theofanis Gekas (30.) konnte die Gemüter nicht beruhigen. Für die wütenden Proteste der Fans äußerte Florian Kringe sogar Verständnis. Nach solch einer Leistung brennt in Dortmund immer der Baum, meinte der Mittelfeldakteur.
Anders als in Dortmund hat sich die Lage beim VfL entspannt. Sechs Tage nach der 0:6-Heimschlappe gegen Werder Bremen zeigte das Team eine erstaunliche Reaktion. Zur großen Erleichterung von Coach Marcel Koller, für den die Luft beim Aufsteiger immer dünner geworden war. Wir wussten, dass es nicht tiefer geht und wir eigentlich nur gewinnen konnten, begründete Torhüter Alexander Bade die wundersame Wandlung.
Nur die fehlende Kaltschnäuzigkeit und eine zweifelhafte Entscheidung von Schiedsrichter Peter Sippel (München), der einem Treffer von Fabio Junior (47.) wegen angeblicher Abseitsstellung die Anerkennung verweigerte, brachte den Aufsteiger um den zweiten Saisonsieg. Nach der ermutigenden Vorstellung hofft Koller auf eine Initialwirkung: Die Mannschaft war nicht wiederzuerkennen. Nun müssen wir diese Moral mitnehmen in das Pokalspiel gegen Karlsruhe und in die Partie gegen Wolfsburg.
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