Berlin - Die Auswärts-Deppen der Liga blamieren sich weiter nach Kräften, Hertha BSC Berlin hat hingegen den Bayern-Schock verdaut und zählt dank Torjäger Marko Pantelic zum Spitzentrio der Fußball-Bundesliga.
Der Hertha-Torjäger erzielte mit seinem bereits fünften Saisontor den 2:1-Siegtreffer und befeuerte den Galgenhumor der Fans von Borussia Mönchengladbach. Einige von ihnen trugen im Olympiastadion T-Shirts mit der Aufschrift Auswärts-Depp!. Die leidgeprüften Anhänger zählen neben ihrer makellosen Heimbilanz in der Fremde Pleiten in Serie. Die Auswärtsschwäche steigert sich zum Auswärtsfluch: Seit dem Wiederaufstieg 2001 haben die Gladbacher nur neun von 89 Partien auf fremden Plätzen gewonnen.
Gladbachs Trainer Jupp Heynckes reagiert auf die Erfolglosigkeit in der Fremde zunehmend gereizt: Ich kann dieses Auswärtsthema nicht mehr hören. Wir müssen halt daran arbeiten. Aber ich kann doch nicht zaubern. Ich bin doch kein Guru. Auf der Fahrt ins Berliner WM- Endspielstadion hatte der ehemalige Coach von Champions-League-Sieger Real Madrid noch Bilder vom heimischem Borussia-Park zeigen lassen - stimmungsvoll untermalt von der Vereinshymne. Doch die Psycho-Tricks verpufften. Wir haben auswärts zu viel Angst, erklärte Stürmer Oliver Neuville, der sorgenvoll eine wachsende Unsicherheit bei den auf Platz acht abgestürzten Gladbachern sieht. Die eigenen Fans sangen: Wir fahren weit, wir fahren viel und verlieren jedes Spiel.
Zwar kam nach dem Ausgleichstreffer des Nationalspielers kurz Zuversicht auf. Doch Pantelic, der schon das Hammer-Tor von Pal Dardai in dessen 200. Bundesliga-Spiel zur Hertha-Führung vorbereitet hatte, deckte die Defizite der Gäste schonungslos auf. Wie Fahnenstangen umkurvte der serbische Auswahlakteur die Bundesliga- Azubis Thomas Levels (19) und Oliver Kirch (24), ehe er im Stile eines Klassestürmers vollstreckte. Hertha gab die Antwort nach der 2:4-Niederlage bei Bayern München, die in der Hauptstadt für Ernüchterung gesorgt hatte.
Fohlen-Coach Heynckes führte die eklatanten Fehler auf mangelnde Erfahrung der Nachwuchskräfte zurück. In der Offensive agierten die ersatzgeschwächten Borussen vor 43 604 Augenzeugen aber auch nicht überzeugender. Unsere Konter hätten wir einfach besser abschließen müssen. Hertha-Manager Dieter Hoeneß musste den Konjunktiv nicht bemühen. Er lobte die Leistung von Hertha-Heilsbringer Pantelic: Er ist ein erstklassiger Stürmer, der nicht nur selbst trifft, sondern auch klasse vorbereitet. Der Gerühmte selbst beschied kurz und knapp wie ein Auftrags-Knipser: Das ist mein Job.
Pantelic, den sie in Berlin Panther nennen, zählt mit fünf Treffern zu den drei besten Bundesliga-Torjägern. Die dem Serben lange anhaftenden Zweifel verflüchtigen sich allmählich. Doch er muss offenbar angetrieben werden, vor allem im Training. Coach Falko Götz hatte den Stürmer noch zwei Tage vor dem Spiel lauthals zurecht gewiesen. Solche Stupser braucht der Marko, befand Hoeneß.
Vor allem dank der Pantelic-Tore zählen die zu Hause weiter ungeschlagenen Hauptstädter (13 Punkte) zu den Verfolgern des Spitzen-Duos Bremen und Schalke (beide 16). Kapitän Arne Friedrich sagte nach dem dritten Heimerfolg: Der Sieg spricht für unseren Charakter. Wir stehen jetzt vor einer entscheidenden Saisonphase. Und die haben wir jetzt positiv eingeläutet.
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