München/Bremen - Als sich seine Kollegen den Frust von der Seele strampelten, konnte der Unglücksrabe Lucio noch nicht einmal mitmachen.
Während die Spieler des FC Bayern München bei strahlendem Sonnenschein eine Regenerations-Einheit auf dem Fahrrad einlegten, dürfte der verletzte Brasilianer über seinen schwarzen Tag beim 1:3 im Bundesliga-Spitzenspiel bei Werder Bremen gegrübelt haben. Mit zwei Schnitzern und einem Eigentor trug er maßgeblich zur Pleite bei. Dass er sich auch noch eine Bänderdehnung zuzog und den Bayern drei Wochen fehlen wird, passte zum unglücklichen Auftritt. Er war die tragische Figur, betonte Clubchef Franz Beckenbauer.
Vielleicht wäre der Nachmittag in Bremen für Lucio ganz anders ausgegangen, hätte Werder-Torwart Tim Wiese nicht in der 41. Minute beim Stand von 2:1 seinen Schuss aus 16 Metern glänzend pariert. Doch so musste Premiere-Experte Beckenbauer Lucio ein deprimierendes Zeugnis ausstellen. Beim 1:0 lässt er sich von Diego austanzen, das 2:2 kann er eigentlich machen, das 3:1 macht er selbst, und dann verletzt er sich auch noch, sagte er. Dazu kam der Freistoß zum 0:2, bei dem der 28-Jährige seinem Torwart Oliver Kahn die Sicht nahm.
Natürlich war Lucio nicht allein für die Niederlage verantwortlich, doch die Kritik von seinem Nebenmann Daniel van Buyten musste er auch auf sich beziehen. Die älteren Spieler haben heute zu wenig gezeigt. Der Belgier war der einzige, der nach dem Spiel klar Stellung bezog und auch die Einstellung seiner Mannschaft kritisierte. Die dritte Auswärts-Niederlage nacheinander besiegelte den schlechtesten Saisonstart seit 13 Jahren. Es war zugleich die dritte Pleite hintereinander nach einem Champions-League-Spiel.
Trainer Felix Magath wollte dies nicht als Erklärung gelten lassen, doch die müde Vorstellung der Bayern vor allem in den ersten 30 Minuten war auch ihm ein Rätsel. Was mich richtig stört, ist der Beginn des Spiels, sagte er noch am Sonntag, da bin ich noch nicht drüber hinweg. Während er seinem Team zumindest eine Steigerung nach dem 0:2-Rückstand attestierte, musste ihn ein statistisches Detail erschrecken: 52 Prozent Ballbesitz standen nur 37 Prozent gewonnene Zweikämpfe gegenüber. Das sei selten so deutlich gewesen, sagte er.
Als Zeichen eines grundsätzlichen Problems wollte er das jedoch genauso wenig werten wie die Niederlage und der Sturz auf Rang vier. Noch ist nicht viel passiert, sagte er, wir haben noch nicht viel an Boden verloren. Der Teamgeist sei intakt, betonte Magath und erhöhte zugleich den Druck auf seine Mannschaft. Es darf jetzt in der Bundesliga keine Auswärts-Niederlage mehr geben, forderte er.
Zunächst steht allerdings erst einmal das Pokal-Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern an; Lucio wäre dafür ohnehin gesperrt gewesen. Beim Training fehlte neben dem Pechvogel noch ein weiterer Akteur. Kapitän Kahn hatte sich mit Magenproblemen abgemeldet. Er hatte keine gute Nacht, berichtete Magath. Auch das passte zum verkorksten Wochenende der Bayern.
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