Leverkusen - Edel-Joker Paolo Guerrero hat den Hamburger SV praktisch im Alleingang vor dem nächsten Nackenschlag bewahrt und mit einem Tore-Doppelpack die Serie von 14 Spielen ohne Sieg beendet.
Der Peruaner erzielte im Gastspiel bei Bayer Leverkusen zunächst nur Sekunden nach seiner Einwechslung in der 70. Minute den Ausgleich, vier Minuten vor dem Ende traf er auch noch zum umjubelten 2:1 (0:1)-Siegtreffer. Die Leverkusener waren durch ein Tor von Andrej Woronin (40.) vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena in Führung gegangen, bleiben durch die erneute Niederlage aber im Mittelmaß der Fußball-Bundesliga stecken. Der Krisen geschüttelte HSV schaffte bei der Rückkehr von Kapitän Rafael van der Vaart nach acht Wochen Verletzungspause den Befreiungsschlag und mit dem ersten Saisonsieg auch den Sprung von den Abstiegsrängen.
Das Mitwirken von Van der Vaart sollte den Hamburgern neuen Mut geben, der Niederländer zeigte bis zu seiner Auswechslung nach 75 Minuten auch seine Qualitäten als Spielmacher. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Die ganze Mannschaft hat diesen Sieg absolut verdient, sagte er. Matchwinner Guerrero zeigte sich überglücklich: Wir hatten schon in der ersten Halbzeit so viele Chancen. Ich bin sehr froh, dass ich die Tore machen konnte. Jetzt können wir in der Tabelle weiter nach oben klettern.
Die Leverkusener, die auf ihren Trikots mit dem Motto des Spieltages Zeig Rassismus die Rote Karte aufliefen, musste den Gelb-Rot-gesperrten Carsten Ramelow und den verletzten Gonzalo Castro ersetzen. Tranquillo Barnetta und Juan hatten ihre Blessuren aus dem UEFA-Cup-Spiel in Brügge vom Donnerstag rechtzeitig auskuriert. Trainer Michael Skibbe konnte mit seinem Team aber nicht zufrieden sein. Wir hatten die Partie im Griff. Gerade in der zweiten Halbzeit waren wir besser und hätten ein Tor nachlegen müssen.
Bei den Hanseaten war das Bemühen zu spüren, die von Doll nach den vielen Nackenschlägen heraufbeschwörte Trotzreaktion zu zeigen. Die erste Chance hatte aber ausgerechnet ein ehemaliger Hamburger: Der erst im Sommer nach Leverkusen gewechselte Sergej Barbarez (6.) setzte einen Kopfball-Aufsetzer über das Tor.
Anschließend bestimmten die Gäste eine insgesamt Niveau arme erste Hälfte. Die Höhepunkte waren aber ein schonungsloses Spiegelbild der Hamburger Serie von Pech und Unvermögen: Boubacar Sanogo (12.) schoss freistehend am leeren Tor vorbei. Ein Kopfballtreffer von Juan Pablo Sorin (18.) wurde wegen Abseits zurecht nicht anerkannt, und schließlich prallte ein Kopfball von Danijel Ljuboja (36.) vom Innenpfosten wieder ins Feld. Als Doll dachte, schlimmer könnte es nicht kommen, behinderten sich Timothee Atouba und Torwart Sascha Kirschstein gegenseitig und legten so Woronin den Ball zum Führungstreffer förmlich auf.
Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte verpassten die Leverkusener die mögliche Vorentscheidung. Woronin und Barbarez (47.) rutschten an einer Flanke von Nationalspieler Bernd Schneider vorbei. Dananch überließen die Hausherren dem HSV weitgehend das Spiel, standen aber solide in der Defensive. Van der Vaart versuchte sich mit einem Fallrückzieher (51.) und einem Distanzschuss (59.), fand aber in Bayer-Torwart Hans-Jörg Butt seinen Meister. Doch dann schlug die Stunde von Guerrero, der mit seinem ersten Doppelpack für den HSV die kaum noch für möglich gehaltene Wende brachte.
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