München - Das Chaos beim TSV 1860 München geht weiter. Statt eines neuen Aufsichtsrates lieferte der Fußball-Zweitligist zum wiederholten Mal ein Bild des Jammers ab.
Das ist eine einzige Blamage für den Club, stellte Christian Ude (SPD), Aufsichtsratsmitglied und Münchens Oberbürgermeister, nach der Delegiertenversammlung in München entsetzt fest, nachdem ein Formfehler die Wahl des obersten Vereinsgremiums verhindert hatte. Das war kein Vorzeigeabend, kritisierte 1860-Geschäftsführer Stefan Ziffzer nach der peinlichen Vorstellung, die zu ersten Konsequenzen führte.
Inzwischen gab der Vorsitzende des Wahlausschusses, Rainer Volkmann, seinen Rücktritt bekannt. Die Delegierten haben die Arbeit des Wahlausschusses missbilligt. Es gibt keine Grundlage mehr für meine Weiterarbeit, erklärte der Landtagsabgeordnete (SPD). Wegen nicht fristgerecht verschickter Einladungen war die Versammlung nicht Beschluss fähig. Die Einladungen fielen aber nicht in sein Aufgabengebiet, betonte Volkmann, deshalb habe auch nicht ich sie unterschrieben, sondern der Präsident.
Finanzielle Folgen muss der Club vorerst nicht fürchten. Die Querelen im Verein interessieren uns wenig. Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung ist extrem professionell. Deshalb werden wir den Vertrag erfüllen, sagte Hartmut Schultz, Sprecher des 1860-Hauptsponsors bwin. Eine Verlängerung des bis Saisonende befristeten Millionenvertrags sei für den Wettanbieter im Moment aber kein Thema.
Mit dem Komödienstadl (Aufsichtsrat Otto Steiner) haben die Löwen einen neuerlichen Rückschlag auf dem Weg zur Konsolidierung erlitten. Sie dürfen nicht meinen, dass sich Banken und Sponsoren auf einen Verein stürzen, dem eine jahrelange Fehde droht, forderte Aufsichtsrätin Monika Hohlmeier (CSU), ehemalige bayerische Kultusministerin, ein Ende der öffentlichen Debatte um die erst Ende März anstehende Präsidentenwahl.
Mit Sorge verfolgt Ziffzer den unnötigen Streit zwischen dem TV- Produzenten Steiner und Ex-Löwen-Trainer Karsten Wettberg, die für die Nachfolge des amtierenden Präsidenten Alfred Lehner kandidieren. Die gescheiterte Wahl sieht er allerdings als große Chance, dass die rivalisierenden Fan-Gruppen pro 1860 und ARGE eine Konsens fähige Lösung finden. Die außerordentliche Versammlung soll in vier bis fünf Wochen stattfinden, aber Manager Stefan Reuter hofft, dass schon in den nächsten Tagen eine Lösung gefunden wird. Wir brauchen einen Aufsichtsrat, hinter dem eine breite Mehrheit steht.
Die mit Spannung erwartete Versammlung am Montag in der Allianz Arena endete in einem Debakel, weil das Präsidium bei den Einladungen die im Statut vorgeschriebene 14-Tage-Frist nicht eingehalten hatte. Präsident Lehner sorgte gleich zu Beginn für einen Paukenschlag, als er verkündete: Wir haben ein Problem. Wir können keine Beschlüsse fassen.
Wir sind geplättet. Der Verein ist nicht in der Lage, fristgerecht Einladungen zu verschicken, das spottet jeder Beschreibung, sagte pro 1860-Sprecher Hans Vonavka. Die mächtige Fan-Gruppierung, die den Präsidentschaftskandidaten Wettberg unterstützt, bewies ihre Stellung als stärkste Fraktion, als sie mit der Mehrheit von 124 Stimmen einen Misstrauensantrag gegen den Wahlausschuss durchsetzte. Die Gruppe will auch beim zweiten Anlauf ihrer Linie treu bleiben und die von der Gegenseite vorgeschlagenen Aufsichtsräte ablehnen. Das Theater wird wohl weitergehen - dabei hatte Präsident Lehner am Montag inständig gehofft, dass wir die einmalige Chance nutzen und beweisen, dass wir kein chaotischer Haufen sind.
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