Hamburg - Ungarns Bundesliga-Profis sind in Sorge um ihre Verwandten in der Heimat. Alle hoffen, dass nichts Schlimmes passiert, sagte Imre Szabics vom FSV Mainz 05 der dpa.
Der 25-jährige Nationalspieler steht nach den schweren Ausschreitungen in seiner Heimat in ständigem telefonischen Kontakt mit seinen Angehörigen. Berlins Pal Dardai verurteilt das Verhalten der Demonstranten und sieht Parallelen zwischen der aktuellen politischen Gewalt und der Gewalt im ungarischen Fußball.
Der Cottbuser Abwehrspieler Zóltan Szélesi, der aus der ungarischen Hauptstadt Budapest stammt, hat wie Szabics engen Kontakt zu seiner dort lebenden Familie. Natürlich habe ich alles aufmerksam verfolgt und mit meiner Frau und meinen Eltern in Budapest gesprochen. Zum Glück ist niemand direkt betroffen.
Auslöser der Demonstrationen in Budapest war eine im Mai vom sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany hinter verschlossenen Türen gehaltene Rede, die der ungarische Rundfunk nun ausgestrahlt hatte. Darin erklärte der Regierungschef, die Regierung habe monatelang gelogen und während des Wahlkampfes verschwiegen, dass sie nach der Parlamentswahl im April eine strikte Sparpolitik verfolgen werde. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Ministerpräsidenten. Gyuncsany lehnt dies ab.
Es ist schlimm, wenn ein Ministerpräsident lügt. Politiker müssen die Wahrheit sagen. Aber ob er zurücktreten muss, weiß ich nicht, aber es wäre wohl nicht der falsche Weg, erklärte Szabics, der dem 39-jährigen Politiker dennoch bescheinigt, bisher die Arbeit nicht schlecht gemacht zu haben.
Sein Landsmann Dardai wollte sich dagegen nicht direkt dazu äußern, da er sich im Gegensatz zu Szabics wenig informiert fühlt. Ich habe keine direkten Informationen aus der Heimat, nur aus zweiter und dritter Hand. Ich weiß nicht, was der Ministerpräsident wirklich gesagt hat. Dardai kritisiert die Demonstranten: Das sind teilweise die selben Leute, die in den Stadien Probleme bereiten.
Trotz seiner Sorgen sieht Nationalmannschaftskollege Szabics keine Gefahr eines Scheiterns der noch jungen Demokratie in Ungarn. Angst habe ich nicht. Gewaltbereite Menschen gibt es leider in jedem Land. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Situation weiter eskaliert, meinte Szabics. Erst zum EM-Qualifikationsspiel der Ungarn gegen die Türkei am 7. Oktober will Szabics in die Heimat zurückkehren.
Für Tamas Hajnal vom Zweitligisten 1.FC Kaiserslautern zählt momentan dagegen nur der Fußball. Deswegen sei er in Deutschland. Dennoch bedauere er die Entwicklung und sorge sich um seine Familie.
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