Stuttgart - Skandal beim DFB-Pokalspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC: Die Attacke eines Zuschauers gegen den Linienrichter führte nach 80 Minuten beim Stand von 0:2 zum Abbruch der Partie.
Nachdem Linienrichter Kai Voss von einem Gegenstand am Hinterkopf getroffen wurde, beendete Schiedsrichter Michael Weiner aus Gießen das Spiel vorzeitig. Der benommene Assistent musste von einem Arzt mehrere Minuten behandelt werden. Kickers-Trainer Robin Dutt versuchte noch, mit einem Aufruf an die Fans die Situation zu beruhigen, doch Weiner brach das Spiel ab. Es war eine eindeutige Angelegenheit, weil das Wurfgeschoss von der Kickers-Tribüne kam, sagte Weiner.
Der mutmaßliche Täter wurde von der Polizei noch am Abend festgenommen, bestätigte ein Sprecher der dpa. Der 38 Jahre alte Stuttgarter soll den Linienrichter mit einem gefüllten Hartplastikbecher getroffen haben. Bereits einen Tag nach dem Spiel entschied das DFB-Sportgericht im Einzelrichter-Verfahren, dass das Spiel mit 2:0 Toren fürHertha BSC als gewonnen gewertet wird. Die Stuttgarter Kickers erklärten bereits Rechtsmittelverzicht, so dass das Urteil rechtskräftig ist und Hertha BSC im Achtelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs steht.
Dass es ein Verfahren gibt, ist klar. Das gibt eine Strafe, das kommt auf den Schiedsrichter-Bericht an, meinte der der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder als einer der 10 500 Zuschauer im ausverkauften Stadion. Die Strafe dürfte deftig ausfallen, weil der Regionalligist bereits in dieser Saison bereits eine Geldstrafe wegen Zuschauerausschreitungen erhalten hatte. Den Kickers drohen Geldstrafe und Platzsperre. Der Fall wird dem Kontrollausschuss unterbreitet, sagte ein DFB-Sprecher.
Das hatte das Spiel einfach nicht verdient, sagte Berlins Trainer Falko Götz. Auch die Stuttgarter Mannschaft hat so einen Abgang nicht verdient. Es war jedoch nicht nur der Becherwerfer, der aus der Rolle fiel: Als Voss behandelt wurde, skandierten andere Zuschauer lautstark Hoyzer, Hoyzer und beleidigten den Verletzten mit dem Namen des Skandal-Schiedsrichters Robert Hoyzer.
Angesichts dieses Eklats geriet in den Hintergrund, dass Hertha BSC weiter vom ersten Pokalsieg seiner Vereinsgeschichte träumen kann. Im Zweitrundenspiel hatten bis zum Abbruch Solomon Okoronkwo (58. Minute) und Yildiray Bastürk per Handelfmeter (74.) getroffen. Die Kickers spielten zwar beherzt auf, doch eine zweite Sensation wie beim 4:3 in der ersten Runde gegen den Hamburger SV wollte nicht gelingen. Während bei den Kickers Kapitän Moritz Steinle wegen einer Notbremse an Marko Pantelic Rot sah (44.), musste Hertha-Profi Ellery Cairo wegen einer Tätlichkeit vom Platz (63.).
Cairo wurde am folgenden Tag vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen unsportlichen Verhaltens für ein Pokalspiel gesperrt. Die Sperre gilt nur für den DFB-Pokal, so dass Cairo Hertha BSC im Bundesligaspiel bei Energie Cottbus zur Verfügung steht.
Die Berliner begannen derartig pomadig, dass ihr Trainer Falko Götz an der Seitenlinie schon nach einer Viertelstunde einen Tobsuchtsanfall bekam. Anstatt den Gegner, der in der 3. Liga seit fünf Spielen auf einen Sieg wartet, mit Tempofußball in Bedrängnis zu bringen, bewegten sich Mittelfeld und Angriff des Bundesliga-Dritten viel zu wenig. Regisseur Bastürk fand deshalb kaum eine Anspielstation. Eine halbe Stunde lang war kein Klassenunterschied zu erkennen - und die Kickers hatten sogar die erste Chance: Laszio Kanyuk tunnelte Pal Dardai und zwang Torwart Christian Fiedler zu einer Parade (19.).
Erst als den Gastgebern die erste Luft ausging, kamen die Berliner auf. Pantelic, der in den Bundesliga mit fünf Treffern die Torschützenliste mit anführt, vergab dann gleich zwei Mal die mögliche Führung: Der serbische Angreifer köpfte zunächst völlig freistehend aus kurzer Entfernung über die Latte (35.). Wenige Minuten später scheiterte ebenfalls mit einem Kopfball an Keeper David Yelldell. Okoronkwo nutzte dann jedoch seine Chance, als Yelldell einen harten Schuss von U 21-Nationalspieler Kevin-Prince Boateng nur abprallen lassen konnte. Bastürk machte mit dem Strafstoß eine Viertelstunde vor Schluss alles klar, ehe das Spiel abgebrochen wurde.
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