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Zwanziger DFB-Präsident ohne Gegenstimme | 2006-09-08


Frankfurt/Main - Theo Zwanziger hat nur eine Stunde nach seiner beinahe einstimmigen Wahl zum mächtigsten Mann im deutschen Fußball auch seine erste Kraftprobe als neuer DFB-Präsident souverän bestanden.

Mit einem eindringlichen Appell animierte der nach dem Rückzug von Gerhard Mayer-Vorfelder alleinige DFB-Chef die insgesamt 256 Delegierten des Außerordentlichen DFB-Bundestages in Frankfurt/Main zur Verabschiedung der lange heftig umstrittenen Regionalliga-Reform.

Der 61-Jährige verhinderte somit eine gleich zu seinem Amtsantritt drohende Zerreißprobe zwischen Profi-Clubs und Amateurverbänden und bescherte sich selbst einen reibungslosen Start ins Präsidentenleben. Irgendwann muss man den Knoten durchschlagen, forderte Zwanziger vor der mit Spannung erwarteten, letztlich aber eindeutigen Abstimmung über die nun ab 2008/09 kommende eingleisige 3. Liga.

Schon zuvor hatte im Saal Harmonie des Frankfurter Congress Centers große Einstimmigkeit geherrscht. Keine Gegenstimme und nur eine Enthaltung musste Zwanziger bei seiner erwarteten Wahl zum zehnten Vorsitzenden in der 106-jährigen DFB-Geschichte registrieren. Der promovierte Jurist erreichte damit eine Zustimmung von 99,6 Prozent. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun, um dem Fußball zu dienen, sagte Zwanziger in einer kurzen Dankesrede, in der er auch die Verdienste seines bisherigen Amts-Kollegen und einstigen Rivalen Mayer-Vorfelder hervorhob.

Sichtlich gerührt und mit belegter Stimme versprach der neue starke Mann des DFB, künftig das soziale Engagement des Verbandes noch mehr zu stärken. Wir müssen die integrative Kraft des Fußballs noch mehr nutzen. Packen wir es an, rief Zwanziger den Delegierten zu. Mit der Wahl endete die seit 2004 währende Notlösung mit einer DFB-Doppelspitze und die insgesamt fünfjährige Amtszeit von MV. Ich werde heute gehen, aber ich werde unter Euch sein. Das ist keine Drohung, sagte Mayer-Vorfelder, dessen schleichender Abschied mit dem Komplott von Barsinghausen vor zwei Jahren eingeleitet worden war.

Mit der Annahme des erst am Abend zuvor ausgehandelten Kompromissvorschlags zur so genannten Spielklassenstrukturreform folgten die Delegierten ihrem Präsidenten. Ein Antrag des Württembergischen Fußball-Verbandes (WFV) zur Vertagung wurde abgeschmettert. Die eingleisige 3. Liga mit 20 Mannschaften und zunächst maximal vier Reserveteams der Profivereine sowie drei darunter angeordneten Regionalligen wurden mit nur 27 Gegenstimmen beschlossen.

Wir sollten den Weg gehen. Nochmal zu verschieben, wird uns nicht in eine bessere Ausgangslage bringen, sagte Zwanziger. Der neue Präsident war nach der Abstimmung um Ausgleich bemüht und dankte den WFV-Vertretern für ihre konstruktive Kritik. Die gehört zum Fußball dazu.

Zustimmung erhielt Zwanziger von allen Seiten. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde per Videoschaltung live aus Berlin eingeblendet und gratulierte zum beeindruckenden Wahlergebnis. Neben der Regierungschefin lobte auch Fußball-Kaiser Beckenbauer den neuen DFB-Chef: Theo Zwanziger ist der geborene Leader. Er hat den Laden im Griff. Auch aus dem Profilager, keineswegs die Hausmacht von Zwanziger, gab es Komplimente: Es ist eine gute Entscheidung. Er hat in den vergangenen zwei Jahren gute Arbeit geleistet. Damit erhält der DFB einen exzellenten Präsidenten, sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München. Und Bundestrainer Joachim Löw betonte: Herr Zwanziger ist ein Förderer der Amateurligen und des Frauenfußballs, aber auch wir haben immer seine Unterstützung gespürt.

Internationale Ämter strebt Zwanziger vorerst nicht an und überlässt den im kommenden Jahr vakanten Posten bei der FIFA Franz Beckenbauer. Der WM-OK-Chef bestätigte erstmals öffentlich seine Absicht, im Januar 2007 für einen Sitz in der Exekutive des Weltverbandes zu kandidieren und Mayer-Vorfelder zu beerben. So langsam hat man mich überzeugt. Ich werde versuchen, gewählt zu werden, sagte Beckenbauer. Zwanziger lobte den Kaiser als idealen Kandidaten: Eine bessere internationale Vertretung ist gar nicht denkbar.

Zuvor hatten Zwanziger und Beckenbauer vor den Delegierten eine überaus positive WM-Bilanz für den Deutschen Fußball-Bund gezogen. Neben dem Imagegewinn kündigte Zwanziger einen noch nicht genau zu beziffernden finanziellen Überschuss an. Nahezu 100 Prozent verkaufte Eintrittskarten und Einsparungen im Sicherheitsbudget würden dem DFB eine Schwarze 1, 2 oder 3 im WM-Etat bescheren.


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