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Golden Girl Künzer glaubt an deutschen WM-Sieg | 2007-09-20


Wuhan - Das Siegtor zum 2:1 im WM-Finale 2003 gegen Schweden hat ihr in Deutschland unglaubliche Popularität beschert, doch Nia Künzer hat in ihrem Leben längst neue Prioritäten gesetzt.

Die 27- Jährige spielt zwar noch immer Fußball beim Bundesliga-Branchenführer 1. FFC Frankfurt, aber die Nationalmannschaft ist für sie längst kein Thema mehr. Die Weltmeisterschaft in China erlebt sie aus anderer Perspektive. Für die ARD ist sie als Expertin am Ball, und privat ist das Golden Girl der DFB-Elf natürlich auch als Fan treu geblieben. Klar habe ich mir die ersten zwei Spiele im Fernsehen angeschaut. Bei der dritten Partie war ich ja schon als Expertin im Studio dabei, sagt Künzer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Nun fiebert sie den K.o.-Spielen entgegen und drückt kräftig die Daumen: Das Viertelfinale gegen Nordkorea wird ein Knaller. Wenn wir gewinnen, ist alles möglich, auch der WM-Titel. Zu dieser Partie am 22. September wird sie aus ihrer Heimatstadt Wetzlar ins Hamburger NDR-Studio eingeflogen. Die Arbeit macht mir riesigen Spaß. Es ist ein tolles Team und ich sehe nun vieles mit anderen Augen, sagt die Hobby-Journalistin.

Obwohl Künzer im dicksten Uni-Stress steckt, klagt sie nicht, sondern stürzt sich in die Arbeit. Die Diplomarbeit hat die Pädagogik-Studentin vor zwei Wochen abgegeben, nun hat sie noch vier schriftliche und drei mündliche Prüfungen vor sich. Und nebenbei steht ja auch das Training beim FFC auf dem Programm. Manchmal müsste der Tag für sie mehr als 24 Stunden haben.

Nach ihrem Golden Goal im WM-Endspiel in Carson am 12. Oktober 2003 streifte die Abwehrspielerin nur noch einmal das Trikot mit dem Adler über. Der 13:0-Rekordsieg gegen Portugal einen Monat nach dem historischen Titel-Gewinn war das letzte von 34 Länderspielen. Dann schlug das unglaubliche Verletzungspech wieder zu. Der vierte Kreuzbandriss im Knie im Dezember 2003 beendete abrupt ihre internationale Karriere. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Natürlich dachte Künzer damals ans Aufhören. Doch sie gab nicht auf, und spielt noch immer erfolgreich für ihren Club.

Gleichwohl verschoben sich die Prioritäten, Ausbildung und Beruf rückten mehr und mehr in den Vordergrund. Die nötige Planungssicherheit gaben der Sympathieträgerin zahlreiche nach der WM abgeschlossenen Sponsorenverträge. Kooperationen mit adidas und Mercedes und zahlreiche Werbetermine ermöglichen ihr noch heute finanzielle Sicherheit, die sie sehr zu schätzen weiß. Ich habe dadurch nicht so einen Druck. Dennoch wird es nun Zeit, dass ich mein Studium abschließe. Danach bin ich nach allen Seiten offen. Womöglich steht sie vor ihrer letzten Saison als Fußballerin, denn: Mit einer Vollzeitstelle Bundesliga zu spielen, wird wohl schwer.

Der Manager des 1. FFC Frankfurt, Siegfried Dietrich, bezeichnet Künzer als absoluten Glücksfall und Aushängeschild für den deutschen Frauenfußball. Neben Steffi Jones, die ihre internationale Karriere in diesem Frühjahr beendete, und Birgit Prinz ist Künzer noch immer eine der bekanntesten Persönlichkeiten in ihrem Sport. Oft werde sie auf der Straße angesprochen oder um Autogramme gebeten, sagt sie. Aber immer in sehr netter Form. Ich freue mich darüber.

Zweifellos wäre Künzer eine ideale Botschafterin für die WM 2011. Aber das ist Sache des DFB, meint sie. Doch sie kann sich gut vorstellen, die im Studium erworbenen Kenntnisse kombiniert mit ihrem Fußballsachverstand lohnend für den Verband einzubringen. Zuvor jedoch sind ihre Qualitäten als Fan und als WM-Expertin gefragt. Zwar kommen jetzt zuweilen die schönen Erinnerungen von 2003 wieder hoch, aber ohne Wehmut. Ich hoffe, unsere Mädels holen den Titel.


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