Nürnberg - Vor mehr als einem Vierteljahrhundert war für Hans Meyer erst im Finale Endstation, bei seiner erneuten Rückkehr auf die europäische Fußball-Bühne hat das Trainer-Urgestein aber keine Muße für Nostalgie.
Eineinhalb Jahre war der liebe Gott ein Clubberer, im Moment wendet er sich von uns ab, klagte der Coach angesichts des mageren Bundesliga-Starts des 1. FC Nürnberg mit nur fünf Punkten vor den eigentlich als Festtagen gedachten UEFA-Cup- Partien gegen Rapid Bukarest. Der Alltag ist hart: Kein Heimsieg, weiter im Tabellenkeller - nicht einmal vier Monate nach dem Pokalcoup von Berlin steckt Meyer erstmals seit Beginn seiner Amtszeit beim einstigen Fahrstuhl-Club in einem Tief.
Unser Spiel ist zu weit weg von unserer Idealvorstellungen. Es ist auf jeden Fall eine Situation, die nicht bagatellisiert werden sollte, eine Situation, in der ich nicht mehr ruhig bin, sagt der 64-Jährige. Wir haben in allen Reihen Problemspieler. Die individuellen Leistungen sind mangelhaft. Zwar konnten die Franken zuletzt die dritte Heimpleite in Serie noch abwenden, Entwarnung konnte Meyer nicht geben: Im Moment läuft eine ganze Menge schief.
Im November 2005 trat Meyer den Job beim wieder einmal am Tabellenende stehenden Verein an - und führte die Franken seitdem immer weiter nach oben. Der Thüringer rettete den Club nicht nur vor dem erneuten Sturz in die Zweitklassigkeit, mit Rang sechs in der vergangenen Saison und dem ersten Pokaltriumph seit 45 Jahren ließ Kultfigur Meyer die Hoffnungen auf bessere Zeiten in Fußball-Franken blühen. Der Club ist wieder da, der Club ist wieder bekannt in Deutschland, schwärmte Präsident Michael A. Roth und wusste um die Verdienste seines teuersten Angestellten. Er ist der Hans im Glück für uns.
Als erster in der DDR ausgebildeter Trainer holte Meyer mit dem DFB-Pokal einen gesamtdeutschen Titel, beim Blick zurück auf seine lange Karriere wollte er den Triumph aber nicht überbewerten. Wenn man mit einer Bezirksauswahl wie Jena drei Mal Weltklasse schlägt und ins Europacup-Finale kommt, ist das noch ein Stückchen mehr wert als der DFB-Pokal, erklärte Meyer, der schon 70 Einsätze im Europa-Cup aufweisen kann. 1981 hatte er den FC Carl Zeiss Jena mit Siegen gegen den AS Rom, FC Valencia und Benfica Lissabon bis ins Endspiel in Düsseldorf geführt, dort zog das Überraschungsteam mit 1:2 gegen Dinamo Tiflis den Kürzeren. Manche seiner heutigen Nürnberger Spieler waren damals noch nicht einmal geboren.
Die Gegenwart ist weniger erfolgreich, zu unrund läuft es nach dem Mai-Hoch bei den Franken. Es ist eine bekannte Sache, dass Mannschaften, die überraschend etwas erreicht haben und am oberen Limit gespielt haben, in der kommenden Saison aufpassen müssen. Die Realität bestätigt den Trainer-Fuchs, der deshalb auch angesichts der Club-Rückkehr auf Europas Bühne auf dem Teppich bleibt. Die Punktspiele in der Bundesliga werden auf lange Sicht für einen Verein wie den 1. FC Nürnberg das Wichtigste bleiben.
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