Gelsenkirchen - Beim Bundespräsidenten durfte Gerhard Mayer-Vorfelder noch einmal die Dankesworte sprechen - doch die Tage als Chef der deutschen Nationalmannschaft sind für den scheidenden DFB-Präsidenten gezählt.
Mit dem Ende der umstrittenen Doppelspitze, die 2004 als Reaktion auf den zunehmenden internen Protest gegen den Führungsstil des Ex-Politikers MV installiert worden war, übernimmt Theo Zwanziger als neuer starker Mann auch die Verantwortung über die deutsche Vorzeigemannschaft von Mayer-Vorfelder (73). Die deutschen Fans haben uns bei der WM eine Plattform gegeben, auf der wir aufbauen können, erklärte Zwanziger (61), der als einziger Präsidentschafts-Kandidat in den DFB-Bundestag am 7. und 8. September in Frankfurt geht.
Der Jurist und ehemalige Schatzmeister Zwanziger weiß um die Bedeutung der Nationalelf für seinen Verband, sowohl als sportliches Zugpferd als auch als Wirtschafts-Faktor. Rund 90 Prozent aller Einnahmen des DFB sind direkt oder indirekt mit der Nationalmannschaft verbunden, nach der WM-Euphorie im Sommer rennen Mädchen und Jungen den Vereinen die Türen ein. Deshalb stellt sich der größte Sportfachverband der Welt (mehr als 6,3 Millionen Mitglieder) auch personell neu auf, damit das Lieblingskind aller Deutschen weiter bestmöglich gehegt und gepflegt werden kann.
Der Vertrag mit Manager Oliver Bierhoff ist bis 2010 verlängert. Mit Wolfgang Niersbach wird ab 15. September ein Mann DFB-Direktor für Teammanagement, der viele Jahre als Medienchef schon als eines der markantesten Gesichter im Umfeld der DFB-Elf galt. Für den Bereich Marketing, der zum größten Teil die Nationalmannschaft betrifft, wird nach dem Abgang von Direktor Horst Lichtner zum Ende des Jahres ein neuer Leiter gesucht. Kommunikations-Direktor Harald Stenger (2009) und der für die elektronischen Medien zuständige Sprecher Uli Voigt (2010) sind langfristig auch für die Nationalelf gebunden.
Ein sportliches Kompetenzteam mit Leiter Bierhoff, Bundestrainer Joachim Löw, U21-Coach Dieter Eilts, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, Sportdirektor Matthias Sammer und Niersbach, soll zusätzlich im kommenden Monat seine Arbeit aufnehmen, um im ganzen Verband eine einheitliche Fußball-Philosophie durchzusetzen und so dem A-Team zu helfen. Das jedoch erweist sich nach dem Rückzug von Ex-Bundestrainer Klinsmann, der auch gegen viele Widerstände eine neue, mutige Linie durchgeboxt hatte, noch als schwierig. Knackpunkt war in den vergangenen Wochen immer wieder Sammer, der gegen den Willen von Bierhoff und Klinsmann Sportdirektor geworden war. Vor allem an der Personalie Erich Rutemöller, den Sammer als neuen U20-Coach zurück in die Riege der DFB-Trainer geholt hatte, entzündeten sich einige Debatten.
Die ganze Sache wird maßlos überbewertet, erklärte DFB-Präsident Zwanziger zu einigen Kompetenz-Rangeleien und arbeitet auch hier an der Einheit des deutschen Fußballs, einen seiner Hauptziele für die neue Amtszeit. Wir haben viele kluge Köpfe, die zusammenarbeiten, betonte der alleinige Chef. Der vor dem Länderspiel gegen Schweden verschärfte Schuhstreit in der Nationalmannschaft zeigte deutlich, wie konsequent Zwanziger bereits dieses Chefamt einnimmt. Mayer- Vorfelder, eigentlich noch zuständig, konnte das Problem allein im Gespräch mit dem Mannschaftsrat nicht vom Tisch schaffen. Das Eingreifen von Zwanziger, der sofort Generalsekretär Schmidt mit Gesprächen mit dem Partner adidas und der Liga beauftragte, bannte zumindest die aktuelle Befürchtung, dass einige Spieler wegen des Schuhzwangs in Gelsenkirchen nicht antreten würden.
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