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Löws Weg wird kein leichter sein | 2006-08-16


Gelsenkirchen - Der angedrohte Spieler-Boykott wurde noch abgewendet, aber der öffentlich ausgetragene Schuh-Streit legte die Probleme von Joachim Löw kurz vor seinem Debüt schonunglos offen.

Der neue Bundestrainer muss so schnell wie möglich aus dem Schatten von Jürgen Klinsmann treten und das Machtvakuum füllen, das der Vorgänger hinterlassen hat. Kaum ist der für sein knallhartes Durchgreifen in Personalfragen berüchtigte Ex-Chef nach Kalifornien entschwunden, melden nicht nur die Profis Begehrlichkeiten an. Auch gegenüber den Bundesliga-Vereinen und seinem Arbeitgeber DFB muss sich Löw positionieren, will er in Ruhe die Qualifikation für die Fußball- Europameisterschaft 2008 angehen.

Wir setzen weiter auf das Konzept Offensivfußball. Wir wollen weiter Attraktivität und Effektivität verbinden, sagte Löw. Mutig gab er im Klinsmann-Ton das Erreichen der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz als Selbstverständlichkeit und den EM-Sieg als Ziel aus, so dass selbst DFB-Präsident Theo Zwanziger relativierte: Wir dürfen nicht glauben, dass die Qualifikation ein Selbstläufer wird. Es wird ein hartes Stück Arbeit für Joachim Löw.

Im Gegensatz zu Klinsmann, der auch gegen den stärksten Gegenwind fast alle seine Forderungen durchsetzen konnte, fehlt Löw das unumstößliche WM-Argument. Wer öffentlich aufmuckte, gefährdete seine eigene Teilnahme am einmaligen WM-Projekt, wie Verteidiger Christian Wörns erfahren musste. Seine Forderung nach freier Schuhwahl wurde intern abgeschmettert, der Dortmunder kurz darauf nach öffentlicher Kritik an Klinsmann aussortiert.

Das Druckmittel WM fehlt Löw. Nach den Dissonanzen mit DFB- Sportdirektor Matthias Sammer um die Berufung von Erich Rutemöller zum U 20-Nationalcoach und der kollektiven Forderung der Spieler nach freier Schuhwahl dürften weitere Versuche, an Löws Bundestrainer- Thron zu rütteln, nur eine Frage der Zeit sein. Sich allein auf Teammanager Oliver Bierhoff als starken Partner an seiner Seite zu verlassen, könnte für Löw nicht ausreichen, gerade wenn schlechte Resultate im Herbst den berauschenden WM-Sommer in Vergessenheit geraten lassen sollten. Der 46-jährige Freiburger muss die WM- Stimmung so lange wie möglich konservieren und doch sein eigenes Profil stärken.

Das Lied Der Weg wird kein leichter sein von Pop-Barde Xavier Naidoo machten Klinsmanns Spieler zu ihrem WM-Song. Das Motto kann Löw nun für sich übernehmen. Zumal die EM-Qualifikation mit den unangenehmen Gegnern Tschechien, Irland, Wales, der Slowakei sowie den Pflichtaufgaben gegen Zypern und San Marino für den WM-Dritten durchaus knifflig werden kann. Die Erwartungen sind natürlich immens groß. Die Euphorie und die Feiertagsstimmung wird sich nicht in gleicher Weise erhalten lassen, sagte Löw. Schon in gut zwei Wochen wird es mit dem Auftakt am 2. September gegen Irland ernst. Danach stehen im Jahr 2006 noch die Partien in San Marino (6. September), der Slowakei (11. Oktober) und auf Zypern (15. November) sowie ein Test gegen Georgien in Rostock (7. Oktober) an.

Auf die WM-Helden zu setzen, aber der Mannschaft auch seine Handschrift zu verleihen, dürfte der personelle Königsweg für Löw sein. Wir wollen mit Ruhe, Beharrlichkeit und Nachdruck weitere Spieler in die A-Mannschaft integrieren, kündigte er schon neue Gesichter im National-Dress an. An Kandidaten mangelt es kaum. Nach Manuel Friedrich und Malik Fathi, die schon gegen Schweden dabei sein durften, nannte der Bundestrainer Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Piotr Trochowski (Hamburger SV) und Mimoun Azaouagh (FSV Mainz 05) als mögliche Kandidaten für seinen Weg Richtung EM 2008.


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