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HSV raus - Doll sauer: Wir waren arrogant | 2006-09-10


Stuttgart - Den Anfang verschlafen, dann kurz vor dem Ende aus allen Träumen gerissen: Der Hamburger SV ist nach der völlig unnötigen 3:4 (3:3, 3:2) Pleite nach Verlängerung im Erstrundenspiel des DFB-Pokals beim Regionaligisten Stuttgarter Kickers in eine Krise geschlittert.

HSV-Trainer Thomas Doll war über die Schmach beim drittklassigen Außenseiter erbost und versuchte mit einer Brandrede seine Spieler wach zu rütteln: Was in der zweiten Halbzeit gelaufen ist, hatte nichts mehr mit Fußball zu tun. Wir waren völlig arrogant, haben Verantwortung abgeschoben und unsere Chancen leichtfertig vergeben. Das haben wir uns selber zuzuschreiben, sagte Doll und kündigte seinen selbstzufriedenen Spielern Konsequenzen an: Der ein oder andere wird das jetzt zu spüren bekommen.

Zwar fehlten vor 10 500 Zuschauern im erstmals seit 15 Jahren wieder ausverkauften Gazi-Stadion in Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Timothee Atouba, David Jarolim und Juan Pablo Sorin gleich fünf Stammkräfte, doch Doll ließ auch ein glückliches Händchen vermissen. Er nahm seine stärksten Offensivkräfte Piotr Trochowski und Danijel Ljuboja vorzeitig vom Feld und nahm damit dem HSV-Spiel die Impulsgeber. Die Frage nach dem Grund dieser unglücklichen Maßnahme blieb indes unbeantwortet: Der Hamburger Tross musste dringend zu seinem Flieger; eine Verlängerung oder gar ein Elfmeterschießen war offensichtlich nicht einkalkuliert worden.

Es entbehrte nicht einer gewissen Pikanterie, dass die ersten beiden Hamburger Treffer vom Wunschsturm des Kickers-Lokalrivalen VfB Stuttgart erzielt wurden. Zunächst hatten Recep Yildiz und Christian Okpala, der einen kapitalen Schnitzer von HSV-Schlussmann Sascha Kirschstein nutzte, die Gastgeber nach nur sechs Minuten mit 2:0 in Führung geschossen. Boubacar Sanogo (28.), der vor seinem Wechsel vom VfB umworben war, und Ljuboja (36.) - nach Vertragsstreitigkeiten zu den VfB-Amateuren verbannt und sogar von den Kickers-Anhängern bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen - brachten den HSV zurück.

Als Guy Demel mit einem volley erzielten Sonntagsschuss noch vor der Pause das Hamburger 3:2 erzielte, schien das Spiel gelaufen. Doch die Hanseaten nutzten ihre zahlreichen Chancen nicht und wurden dafür von Yildiz eine Minute vor dem Schlusspfiff bestraft. Der HSV ist sein Überlegenheitsgefühl nicht losgeworden, bemerkte der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder süffisant.

Den auch in der Verlängerung packenden Pokalfight mit vielen Torszenen krönte erneut Okpala für die Kickers mit einem verwandelten Strafstoß (96.). Der HSV hat nur eins seiner acht Saison- Pflichtspiele gewonnen. Baden-Württemberg jedenfalls ist im DFB-Pokal ein schlechtes Pflaster: Vor 32 Jahren verlor der HSV 1:2 beim VfB Eppingen, zehn Jahre später folgte ein 0:2 beim SC Geislingen. Die Kickers nahmen nun erfolgreich Revanche für das 1:3 im DFB-Pokalendspiel 1987 sowie für das 1:5 vor Jahresfrist. Trainer Robin Dutt, an dem sogar Hannover 96 Interesse gezeigt hatte, freute sich wahnsinnig über den Pokalcoup, Torschütze Yildiz darf sich gar über einen fahrbaren Untersatz freuen: Mein Vater sagte zu mir, wenn ich zwei Tore schieße, bekomme ich ein Auto.


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